Von Claus Bach, 21. August 2015, 11:48 Uhr

Der „Lange Jakob“ in Weimar ist schlicht zum Inbegriff für alle Neubauhasser geworden. Wie eine Trutzburg der Vergangenheit überragt das Studentenwohnheim die ansonsten so beschaulich anzusehende Kleinstadt. Bis heute umstritten, doch praktisch für die Benutzer.

Eine visuelle und architektonische Provokation, ein bauliches Relikt aus vergangenen DDR -Zeiten, das wie kein anderes zum markanten Gegenpol von Bastille und Stadtschloss wurde und so das Erscheinungsbild der Stadt prägt.

Und auch Beleg dafür, wie die enthemmte Architektur – Moderne der sechziger Jahre auch und gerade in Weimar wütete. Glücklicherweise fehlte im damaligen Osten Deutschlands schlicht das Geld, um Schillerstraße und historischen Markt so zu ver – Beton – Platten wie im Westen.

Ursprünglich sollte das Wohnheim allerdings an einem ganz anderen Ort stehen: Laut Auskunft der damals federführenden Architektin Anita Bach war als Standort die Belvederer Allee geplant.
Doch auf Geheiß der damaligen SED – Parteileitung musste der Bau in die Nähe des Ensembles des ehemaligen Gauforums verlegt werden.

Als vermeintliche architektonische Gegenansage der neuen sozialistischen Gesellschaft.

Nach deren Niedergang fristet das Wohnheim bis heute ein bescheidenes Dasein. Trotz unschlagbar günstiger Mietpreise im teilsanierten Plattenbau ist sein Ruf durchwachsen. Obwohl die Zimmer heute längst nur noch von einzelnen Studenten bewohnt werden.

Das will nun eine Initiative von ehemaligen Studenten der Bauhaus – Universität ändern.
„Fabulous Jakopsplan“ nennt sich deren Projekt, welches schon vor einem Jahr entwickelt wurde. Drei Studierende der örtlichen UNI hatten damit Ihren Masterabschluss im Studiengang „Kunst im öffentlichen Raum“ realisiert.

Mittels empathischer Recherche wurde vor allem die Beziehung zwischen Kunst und Architektur befragt.
Abseits von Ostalgie und Retro – Style. Im August 2014 war die Resonanz unerwartet gross.

Genau das findet nun seine Fortsetzung. Die damaligen Akteure Ina Weise, Danielle Kourtesis und Nima Keshtkar luden 11 internationale Künstler ein, sich mit dem Haus zu beschäftigen. Diesmal mit dem Blick von außen.

Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein.

Die Vernissage des Ausstellungsprojekts findet am kommenden Samstag, dem 22. August statt.
Beginn: 18.00 Uhr im Gebäude.

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