Von Claus Bach, 22. Juni 2011, 11:26 Uhr

70 Jahre nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in die UDSSR sind erneut eine Menge Fotografien aus jener Zeit aufgetaucht. Schön sortiert in einem gut erhaltenen Album. Gefunden wurde es in New York.

Zu sehen sind unter anderem die typischen schwarzweiß – Aufnahmen vom Kriegsgeschehen in Rußland aus dem Jahr 1941: Soldaten, welche die Ruinen der Stadt Minsk mit Kamera und Stativ minutiös dokumentieren: Zerstörte Straßenzüge und das noch erhalten gebliebene Opernhaus mit Trümmern drumherum. Sogar ein kleiner deutschen Soldatenfriedhof ist zu sehen. Offensichtlich wurde er frisch angelegt. Und freilich Fotografien russischer Kriegsgefangener.

Aber auch Eindrücke vom Soldatenalltag: Morgentoilette, der Marsch in der Kolonne, Gruppenbilder und Aufnahmen des Reichs-Propagandazuges „Deutschland“. Gerade die Alltagsfotos wirken außerordentlich nah und zugleich unheimlich. Denn der Fotograf war quasi am laufenden Band aktiv. Selbst seinen Aufenthalt in einem Lazarett hat er festgehalten:

Die freundliche junge Krankenschwester mit Milchglas in der Hand und ein anderer verwundeter Soldat. Ebenso den händeschüttelnden Adolf Hitler in der Wolfsschanze am 7. September 1941. Und auch das Bild von einem Spaziergang mit attraktiver Dame im Pelzmantel in München wurde ins Album eingeklebt. Viele der Fotografien sind genau datiert und sogar rückseitig beschriftet.

Nur eines fehlt: Der Name des Fotografen. Der Verdacht eines Profis scheint nahezuliegen. Den suchen nun die „New York Times“ und „Der Spiegel“ in ihren Online – und Printausgaben. Spektakulärer Titel des Ganzen: „Das Rätsel des Nazi-Fotoalbums“. Und so müssen sich die Zeitschriftenredaktionen mit allerlei spekulativen Vermutungen abgeben. Jeder sagt eben was anderes.

Mit anderen Worten: Ein bunter Strauß Internet – Schwarmintelligenz. Denn bekanntlich ist der ordinäre Zeitzeuge der größte Feind des Historikers. Aber da müssen alle durch. Denn wenn es der Erkenntnis nützt, muss jedes Recherche – Opfer recht sein.

Nachsatz: Schneller als vermutet hat der Aufruf der Medien gefruchtet: Seit dem 22.Juni ist der Name des Gesuchten bekannt: Es handelt sich um den Salzburger Fotografen Franz Krieger. im Sommer 1941 war er als Kriegsberichterstatter im Reichsautozug „Deutschland“ in der UDSSR unterwegs. So kam es zu den Aufnahmen der zerstörten Stadt Minsk. Laut SpiegelOnline kam ein erster Hinweis von einer Leserin, die an einer Doktorarbeit über Propagandafotografie arbeitet.

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