Fotograf gesucht!

70 Jahre nach dem Ein­marsch der Deutschen Wehrma­cht in die UDSSR sind erneut eine Menge Fotografien aus jener Zeit aufge­taucht. Schön sortiert in einem gut erhal­te­nen Album. Gefun­den wurde es in New York.

Zu sehen sind unter anderem die typ­is­chen schwarzweiß – Auf­nah­men vom Kriegs­geschehen in Ruß­land aus dem Jahr 1941: Sol­daten, welche die Ruinen der Stadt Minsk mit Kam­era und Sta­tiv minu­tiös doku­men­tieren: Zer­störte Straßen­züge und das noch erhal­ten gebliebene Opern­haus mit Trüm­mern drumherum. Sogar ein kleiner deutschen Sol­daten­fried­hof ist zu sehen. Offen­sichtlich wurde er frisch angelegt. Und freilich Fotografien rus­sis­cher Kriegs­ge­fan­gener.

Aber auch Ein­drücke vom Sol­date­nall­tag: Mor­gen­toi­lette, der Marsch in der Kolonne, Grup­pen­bilder und Auf­nah­men des Reichs-Pro­pa­gan­dazuges „Deutsch­land“. Ger­ade die All­t­ags­fo­tos wirken außeror­dentlich nah und zugle­ich unheim­lich. Denn der Fotograf war quasi am laufenden Band aktiv. Selbst seinen Aufen­thalt in einem Lazarett hat er fest­ge­hal­ten:

Die fre­undliche junge Kranken­schwester mit Milch­glas in der Hand und ein anderer ver­wun­de­ter Sol­dat. Ebenso den hän­de­schüt­tel­nden Adolf Hitler in der Wolf­ss­chanze am 7. Sep­tem­ber 1941. Und auch das Bild von einem Spazier­gang mit attrak­tiver Dame im Pelz­man­tel in München wurde ins Album eingek­lebt. Viele der Fotografien sind genau datiert und sogar rück­seitig beschriftet.

Nur eines fehlt: Der Name des Fotografen. Der Ver­dacht eines Profis scheint nahezuliegen. Den suchen nun die „New York Times“ und „Der Spiegel“ in ihren Online – und Print­aus­gaben. Spek­takulärer Titel des Ganzen: „Das Rät­sel des Nazi-Fotoal­bums«. Und so müssen sich die Zeitschriftenredak­tio­nen mit aller­lei speku­la­tiven Ver­mu­tun­gen abgeben. Jeder sagt eben was anderes.

Mit anderen Worten: Ein bunter Strauß Inter­net – Schwarmintel­li­genz. Denn bekan­ntlich ist der ordinäre Zeitzeuge der größte Feind des His­torik­ers. Aber da müssen alle durch. Denn wenn es der Erken­nt­nis nützt, muss jedes Recherche – Opfer recht sein.

Nach­satz: Schneller als ver­mutet hat der Aufruf der Medien gefruchtet: Seit dem 22.Juni ist der Name des Gesuchten bekannt: Es han­delt sich um den Salzburger Fotografen Franz Krieger. im Som­mer 1941 war er als Kriegs­berichter­stat­ter im Reich­sautozug »Deutsch­land« in der UDSSR unter­wegs. So kam es zu den Auf­nah­men der zer­störten Stadt Minsk. Laut SpiegelOn­line kam ein erster Hin­weis von einer Leserin, die an einer Dok­torar­beit über Pro­pa­gandafo­tografie arbeitet.