Fotos gehen immer gut!

„Machen Sie doch eine Show mit Akt­fo­tos, dann ist die Bude voll!“, sprach ein Ausstel­lungsku­ra­tor zu seinem Kol­le­gen – angesichts gäh­nen­der Leere in dessen Ausstel­lungsräu­men. Am besten mit toten Kunst-Promis, die kön­nen sich nicht mehr wehren. Abge­se­hen vom Stress, den man unter Umstän­den mit den Lei­hge­bern hat. Nur ein toter Kün­stler ist eben ein guter Kün­stler.

Über­flüs­sig zu sagen, dass diese Sprüche Klas­siker sind und demzu­folge immer wieder gern genom­men wer­den. Bestä­ti­gung finden sie alle­mal.

So auch im Fall der soeben been­de­ten Ausstel­lung mit Akt­bildern des welt­berühmten Fotografen Hel­mut New­ton im Kun­sthaus Apolda Avant­garde. Auch und ger­ade weil seine Bilder die Patina der achtziger und neun­ziger Jahre des let­zten Jahrhun­derts aufweisen, kon­nte da prak­tisch nichts schief gehen.

Konzep­tionell gesprochen ist das »wie Holz in den Wald tra­gen“. Null Res­o­nanz-Risiko.

So haben die Ausstel­lungs­macher selb­stver­ständlich einen Besucher­rekord abge­feiert. Und der Konkur­renz gle­ich mal so richtig gezeigt, wie ein Erfolg im lokalen Kun­st­be­trieb aussieht. Alles andere wäre in der Tat eine Pleite gewe­sen. Die Sache hat sich Besucherzahlen – tech­nisch mehr als nur gerech­net, inclu­sive verkaufter Kat­a­loge. Was freilich dominieren­des Argu­ment für alle Beteiligten ist. Von pri­vaten Spon­soren bis hin zu staatlichen Pro­jek­t­förder­ern.

Doch wider Willen gerät die Angele­gen­heit damit zum Maßstab, an dem wohl zukün­ftige Pro­jek­t­fi­nanzierun­gen des Freis­taates Thürin­gen gemessen wer­den kön­nten.

Da wer­den es Akt –und promi­foto-freie Ausstel­lun­gen bald ziem­lich schwer haben:
Besucherzahlen gegen Null. Geht doch sowieso kein Aas hin. Rech­net sich von vorn­herein nicht und lohnt umso weniger der aufgewen­de­ten Mit­tel aus Steuergeldern.

Schlechte Zeiten für zeit­genös­sisch engagierte Ausstel­lungsku­ra­toren. Und ebenso klas­sis­ches Phänomen, welches weit über den lokalen Raum hin­aus reicht.

Doch was tun? Eine süff­isante Antwort kön­nte vielle­icht der Meis­ter selbst geben. Hel­mut New­ton, bere­its erwäh­n­ter Klas­siker der sur­realen Akt-und Promi­fo­tografie sagte ein­mal über sich:

„Ich bin eine Nutte, eine sehr teure Nutte.“
Dieses State­ment sollte man in aller Ruhe sacken lassen.