Von Claus Bach, 30. März 2011, 11:26 Uhr

„Machen Sie doch eine Show mit Aktfotos, dann ist die Bude voll!“, sprach ein Ausstellungskurator zu seinem Kollegen – angesichts gähnender Leere in dessen Ausstellungsräumen. Am besten mit toten Kunst-Promis, die können sich nicht mehr wehren. Abgesehen vom Stress, den man unter Umständen mit den Leihgebern hat. Nur ein toter Künstler ist eben ein guter Künstler.

Überflüssig zu sagen, dass diese Sprüche Klassiker sind und demzufolge immer wieder gern genommen werden. Bestätigung finden sie allemal.

So auch im Fall der soeben beendeten Ausstellung mit Aktbildern des weltberühmten Fotografen Helmut Newton im Kunsthaus Apolda Avantgarde. Auch und gerade weil seine Bilder die Patina der achtziger und neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts aufweisen, konnte da praktisch nichts schief gehen.

Konzeptionell gesprochen ist das „wie Holz in den Wald tragen“. Null Resonanz-Risiko.

So haben die Ausstellungsmacher selbstverständlich einen Besucherrekord abgefeiert. Und der Konkurrenz gleich mal so richtig gezeigt, wie ein Erfolg im lokalen Kunstbetrieb aussieht. Alles andere wäre in der Tat eine Pleite gewesen. Die Sache hat sich Besucherzahlen – technisch mehr als nur gerechnet, inclusive verkaufter Kataloge. Was freilich dominierendes Argument für alle Beteiligten ist. Von privaten Sponsoren bis hin zu staatlichen Projektförderern.

Doch wider Willen gerät die Angelegenheit damit zum Maßstab, an dem wohl zukünftige Projektfinanzierungen des Freistaates Thüringen gemessen werden könnten.

Da werden es Akt –und promifoto-freie Ausstellungen bald ziemlich schwer haben:
Besucherzahlen gegen Null. Geht doch sowieso kein Aas hin. Rechnet sich von vornherein nicht und lohnt umso weniger der aufgewendeten Mittel aus Steuergeldern.

Schlechte Zeiten für zeitgenössisch engagierte Ausstellungskuratoren. Und ebenso klassisches Phänomen, welches weit über den lokalen Raum hinaus reicht.

Doch was tun? Eine süffisante Antwort könnte vielleicht der Meister selbst geben. Helmut Newton, bereits erwähnter Klassiker der surrealen Akt-und Promifotografie sagte einmal über sich:

„Ich bin eine Nutte, eine sehr teure Nutte.“
Dieses Statement sollte man in aller Ruhe sacken lassen.

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