Von Claus Bach, 16. September 2009, 11:26 Uhr

…des täglichen Wahlplakat-Terrors blickt man in der örtlichen Jenaer Straße plötzlich auf ein Großplakat ganz eigener Art.

Fast wie ein visueller Schluckauf springt einem die übergroße Städtereklame ins Gesicht: Auf wasserblauem Grund ist eine weiße Umrisskarte abgebildet, die mit lauter kleinen chemischen Symbolen für das Element Wasser ausgefüllt ist. In einer roten rechteckigen Sprechblase steht dann auch gleich der geografische Ort: „Konstanz – die Stadt am H2O“.

Aha. Das ist eine originell gemeinte Anspielung auf den besonderen Charakter der Stadt. Schließlich hat Konstanz eine Elite-Universität vorzuweisen und da kann man es sich schon mal leisten, den Bodensee mittels H2O– Symbolen darzustellen. Doch genau hier liegt das Problem.

Denn jedem Chemielehrer fällt bei näherem Hinsehen sofort auf, dass eben jene Darstellung einen kleinen, aber verhängnisvollen Fehler hat: Nicht Wassermoleküle, sondern simples Formaldehyd wurde hier dargestellt.

Die grafische Vereinfachung hat offensichtlich zu diesem Patzer geführt. Anstelle von zwei Strichen, die vom Sauerstoff-Atom zu jeweils zwei Wasserstoff-Atomen führen, tut dies hier nur jeweils einer. Und das genau weist eben auf jene vereinfachte Formaldehyd-Darstellung hin.

Offensichtlich hat der verantwortliche Grafiker eine ordentliche Recherche als Behinderung seiner Kreativität gesehen und dementsprechend gehandelt.

Also dann: „Willkommen in Konstanz – die Stadt am Formaldehyd!“ Doch Vorsicht, sehr giftig. Das ist mehr als nur peinlich. Und vor allem dann, wenn sich besagte Stadt als „Klein Harvard am Bodensee“ gebiert. Seither jedenfalls hagelte es wütende Brief an die Marketing-Agentur, welche die Kampagne ersann und die Bundesrepublik damit flächen deckend zuplakatierte.

In diesen Wochen endet die Kampagne. In Weimar ist nun eines der letzten der Exemplare zu sehen. Wer weiß, warum ausgerechnet hier. Und eigentlich wäre das ein Sammelobjekt für das hiesige Stadtmuseum.

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