Von Claus Bach, 21. Dezember 2011, 14:57 Uhr

Noch 10 Tage soll der Leichnam des nordkoreanischen Diktators Kim Jong IL im Glassarg aufgebahrt liegen. Zugänglich fürs Volk. Und das ergießt sich seit dem Ableben seines Landesvaters in kollektiv enthemmter Trauer.

Ganz Nordkorea weint seit zwei Tagen für sich und den Rest der Welt:

Auf allen öffentlichen Plätzen kniet Alt und Jung nebeneinander und wehklagt. Frauen, Kinder und Männer wälzen sich in Weinkrämpfen auf dem Boden. Die arten dann meist in exzessive Schreikrämpfe aus. Eine Nachrichtensprecherin bricht während des Redens in Tränen aus und muss ihre Moderation abbrechen. Selbstverständlich übertragen vom nordkoreanischen Staatsfernsehen.

Das alles sieht aus wie ein zehnminütiger Sketch der britischen Komikertruppe Monthy Python aus den frühen achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts:

John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin auf Droge. In gewohnter Höchstform.
Vielleicht ist das ein Ausschnitt der nordkoreanischen Version von „Das Leben des Bryan“. Eine jener Versionen des Kultfilms, die bis kürzlich im BBC – Archiv versunken war und nun spektakulär entdeckt wurde.

Freilich könnte es sich  auch um Szenen aus einem Louis de Funés – Streifen der frühen siebziger Jahre handeln. Aus französischer Produktion. Da wurden ähnlich bizarre Momente durchgespielt. Völlig irre, wenn man das heute ansieht.

Selbstverständlich fragen nun alle Medien der übrigen freien Welt nach dem Wahrheitsgehalt der nordkorenischen Kollektivtrauer. Inzeniert oder nichtinszeniert lautet die brisante Frage. Nachprüfbar ist es ja bekanntlich nicht.

Denn eine Diktatur hält dicht und hinterlässt bestimmte humane Verhaltensmuster. Und so könnte die kollektive nordkoreanische Trauerorgie am Ende doch ganz echt sein.

Ehrlich, wie eine 63 Jahre alte Dikatur nun mal funktioniert. Klare Ansagen. Ohne Ausnahme.

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Bisher 1 Kommentar zum Artikel

  1. Kommentar von Meike

    Ich glaube eigentlich auch, dass die Trauer wahrscheinlich echt sein könnte. Die Inszenierung greift natürlich dennoch wenn es um die Präsentation und Instrumentalisierung dieser Trauer geht.

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