Geplantes Pathos?

Noch 10 Tage soll der Leich­nam des nord­ko­re­anis­chen Dik­ta­tors Kim Jong IL im Glas­sarg aufge­bahrt liegen. Zugänglich fürs Volk. Und das ergießt sich seit dem Ableben seines Lan­des­vaters in kollek­tiv enthemmter Trauer.

Ganz Nord­ko­rea weint seit zwei Tagen für sich und den Rest der Welt:

Auf allen öffentlichen Plätzen kniet Alt und Jung nebeneinan­der und wehk­lagt. Frauen, Kinder und Män­ner wälzen sich in Weinkrämpfen auf dem Boden. Die arten dann meist in exzes­sive Schreikrämpfe aus. Eine Nachricht­en­sprecherin bricht während des Redens in Trä­nen aus und muss ihre Mod­er­a­tion abbrechen. Selb­stver­ständlich über­tra­gen vom nord­ko­re­anis­chen Staats­fernse­hen.

Das alles sieht aus wie ein zehn­minütiger Sketch der britis­chen Komik­ertruppe Mon­thy Python aus den frühen achtziger Jahren des vorigen Jahrhun­derts:

John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin auf Droge. In gewohn­ter Höch­st­form.
Vielle­icht ist das ein Auss­chnitt der nord­ko­re­anis­chen Ver­sion von „Das Leben des Bryan“. Eine jener Ver­sio­nen des Kult­films, die bis kür­zlich im BBC – Archiv ver­sunken war und nun spek­takulär ent­deckt wurde.

Freilich kön­nte es sich  auch um Szenen aus einem Louis de Funés – Streifen der frühen siebziger Jahre han­deln. Aus franzö­sis­cher Pro­duk­tion. Da wur­den ähn­lich bizarre Momente durchge­spielt. Völ­lig irre, wenn man das heute ansieht.

Selb­stver­ständlich fra­gen nun alle Medien der übri­gen freien Welt nach dem Wahrheits­ge­halt der nord­ko­renis­chen Kollek­tiv­trauer. Inze­niert oder nichtin­sze­niert lautet die brisante Frage. Nach­prüf­bar ist es ja bekan­ntlich nicht.

Denn eine Dik­tatur hält dicht und hin­ter­lässt bes­timmte humane Ver­hal­tens­muster. Und so kön­nte die kollek­tive nord­ko­re­anis­che Trauerorgie am Ende doch ganz echt sein.

Ehrlich, wie eine 63 Jahre alte Dikatur nun mal funk­tion­iert. Klare Ansagen. Ohne Aus­nahme.