Von Claus Bach, 10. Dezember 2008, 11:26 Uhr

…die hundert wichtigsten Thüringer im Jahr 2008.
„Wer hat in diesem Jahr das meiste für Thüringen erreicht? Wer war am erfolgreichsten, wer am einsatzstärksten, wer hat Entscheidendes für das Land bewegt?“
Das fragt die „Thüringer Allgemeine“ nun schon seit Wochen  ihre  Leser in einer diesbezüglichen Kampagne.
Und so druckte das Blatt jeweils 30 Personalvorschläge aus den Bereichen Politik, Sport, Bürger, Kultur und Wirtschaft zur finalen Wahl ab:
In fünfteiliger Serie waren freundliche Konterfeis unbekannter Bürger und lokaler Promis zu sehen – die üblichen Verdächtigen zum Jahresausklang.
Und wem der eine oder andere Name in der Auflistung fehlte, konnte diesen selbstverständlich auch zum Vorschlage bringen. Gelebte Mediendemokratie eben.
Also eine klassische „best of“-Kampagne, die freilich sofort die Vorbilder ähnlicher Aktionen verschiedener TV-Sender erkennen lässt.
Doch nicht nur da hat sich die Redaktion der „Thüringer Allgemeinen“ bedient.
Auch das Logo der Umfrage spricht Bände, in diesem Fall amerikanische.
Zu sehen ist der eingethüringischte Uncle Sam.
Bekanntlich zeigt das berühmte Original das Kopfbild eines Mannes mit Zylinder, der mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand energisch blickend ins Antlitz des Betrachters weist und auffordernd ruft:
„I want you to vote!“
Nun prangt anstelle des weißen Sternes das Thüringer Wappen – die rotweiß -gestreifte Silhouette eines Bären – auf dem blauen Zylinder besagter Person.
Und in benutzerdefinierter Abwandlung ist jetzt der Slogan
„Ihre Stimme zählt!“
auf dem thüringischen Onkel Sam zu lesen.
Na prima. Also auch das nachgemacht. Sehr originell, darauf muss man erstmal kommen: Mache die eigene Phantasielosigkeit zum Thema und kopiere still vor Dich hin. Mit Sicherheit nicht nur ein lokales Phänomen. Und vielleicht ist das auch lustig, die visuelle US -Ikone schlechthin erneut zu verhackstücken.

Schließlich klingt das Jahr aus und wir werden selbstverständlich wieder mit einem derart buntem medialen Strauss „Herausragender Ereignisse und Personen“ penetriert, dass es nur so eine Freude ist und jeder seine 15 Minuten Ruhm hat.
Zumal sich im grünsten aller Bundesländer sowieso schon enthemmtester Frohsinn breit gemacht hat.
Da fällt ein Thüringer Uncle Sam-Pfingstochse mehr oder weniger auch nicht sonderlich weiter auf.

Also eine durchaus begrenzte Peinlichkeit.

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