Von Claus Bach, 12. November 2008, 11:26 Uhr

…will viel Weil haben, könnte man angesichts des so klaren Sieges der US-Päsidentschaftswahlen für Barack Obama schlussfolgern. Vielleicht mag der mitschwingende zynische Unterton auch daher rühren, dass es manchmal schon recht unheimlich wurde – angesichts des so hyperperfekt organisierten Wahlkampfs des demokratischen Kandidaten.

Ein mediales Feuer aus allen Rohren und selbstverständlich wurde nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen. Eine Kostprobe gab es bekanntlich schon im Juli des Jahres vor der Siegessäule in Berlin. Was sich im Nachhinein als der buchstäblich genau richtige Platz erwies und zahlreiche Einspielungen in aktuellen deutschen TV-Talkrunden garantierte. Zu erleben war damals eine bis dahin nicht gesehene visuelle Polit-Choreographie inclusive messerscharf geschliffener Rethorik des Debüttanten.

Eine intellektuelle „One man-love parade“ mit ihrem kompatiblen Messias. „Change!“ war griffig und hatte sich sofort in viele Gehirne eingegraben.

Fast überflüssig zu sagen, dass Obamas Team wie kein anderes zuvor das Internet in jeder auch nur möglichen Funktion für sich zu nutzen wusste und die sonst so betuchte republikanische Gegenseite alt aussehen ließ.

Da wirkten deren Beschwerden ob der ausgerechnet ökonomischen Unfairness irgendwie anachronistisch und unfreiwillig albern:
Man erinnere sich nur an Sarah Palins Klagen – ausgerechnet in Verbindung mit den überzogenen Ausgaben für Ihre Auftrittsgarderobe. Laut aktuellsten Meldungen soll sie nun per Gebet eine Art Demokraten-Exorzismus betreiben, in Verbindung mit Ihrem gespürtem zukünftigen Einzug ins Weisse Haus in vier – pardon – fünf Jahren.

So scheinen sich die abgenutzten Formeln der berühmt-berüchtigten „Macht der Bilder“ zu bestätigen. Der Zweck heiligt eben doch die Mittel, nützliche Zufälle sind freilich willkommen. Aber sei’s drum.

Denn die Tränen der Rührung in den Augen vieler Zeitgenossen angesichts dieses wahrhaftig historischen Wahlsiegs waren mehr als echt und auch jetzt will man das Ganze noch nicht so recht realisieren.
Der Jugendzeitschrift „BRAVO“ ist das sogar das aktuelle Innenposter wert. Ein Novum. Denn das erste mal seit fünfzig Jahren wird damit ein Politiker zum Popstar der Teenies gekürt.

So zieht im Januar 2009 ein schwarzer ins Weisse Haus – selbst das klingt fast wie der Beginn eines allerdings unfreiwilligen Witzes, den eine weiße Wählerin der Republikaner noch während des Wahlkampfes riss:
„Wo kämen wir denn hin, wenn ein schwarzer ins Weisse Haus ziehen würde?
Dann müsste es womöglich „Schwarzes Haus“ heissen – unmöglich!“

„Yes we can!“, lautet nun die süffisante Antwort des neuen Hoffnungsträgers.
Aber das führt dann wahrscheinlich doch zuweit.

 

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