Von Claus Bach, 9. April 2008, 11:26 Uhr

befanden wir uns sprichwörtlich am 05. April am Stadionvorplatz in Weimar: Da stand also nun der Haufen von NPD-Lemmingen und wartete geduldig auf die nächsten Anweisungen seines Anführers: Die genehmigte Strecke sei nicht frei, man verhandle mit der Polizei über eine Alternativ-Route und so weiter. Währenddessen verschwanden wetterbedingt Biertische und Bratwurstrost im Transporter, schließlich sollte es ja bald losgehen mit der Demonstriererei. Zeit genung, sich die NPD-Probanden etwas genauer zu betrachten:Und man sehe und staune: Alle Kameraden hatten offenbar Ihre Hausaufgaben erledigt und sich strikt an die Auflagen gehalten, welche auf der Website der NPD nachzulesen waren: Eine bizarre Endlos-Liste drakonischer Aufzählungen listete minutiös sämtliche verfassungsfeindlichen Outfits auf, welche Gründe zur Auflösung der Demo liefern könnten. Selbst ein Gericht formuliert nicht halb so gründlich die Bewährungsauflagen seiner Verurteilten. So fehlten am 05.April alle szenetypischen Outfis wie Bomberjacken oder Kapuzenshirts mit einschlägigen aufgedruckten Labels – genauso wie die berüchtigten Springerstiefel mit oder ohne Stahlkappen. Und demzufolge sahen die Kameraden dann derart stino aus, das sie glatt auf der Gegenseite durchgegangen wären. Da bekommt man eher Angst vor den vermummten Kollegen des linken schwarzen Blocks. Auch waren die mitgeführten Losungen derart vermeintlich sozialkritisch, daß man das Gefühl hatte, die NPD sei schon längst vom rechten über den linken Rand in der politisch- alltäglichen Mitte angelangt. „Kita-Plätze statt Gesinnungshetze“ war beispielsweise auf einem Transpa zu lesen – nicht dumm, darauf muß man erstmal kommen. Selbst der Redner der Demo ließ sämtliche üblichen Hetz-Klischees aus, bezog sich scheinheilig auf das klassische Bildungspotential des Ortes und nutzte für seine Rhetorik geschickt die Vernachlässigungen der Thüringischen Landesregierung im sozialen Kinder,- Jugend und Bildungsbereich. Und, ganz nebenbei – sobald die Polizei die Demo filmte, wurde auch von den NPD-Jungfilmern prompt zurückgefilmt und fotografiert. Fazit: Die Mär von den tumben NPD-Dummlingen ist mehr als Schnee von gestern, einige geistige Anführer haben Ihre Hausaufgaben ausserordentlich gut gemacht und sind schon längst dabei, die klassiche schweigende Mehrheit zu aquirieren. Noch nie war die NPD von einem Verbot soweit entfernt wie heute. Da werden Sitzblockaden und bürgerliche Zivilcourage auf Dauer wohl nicht ausreichen. Notwendig ist die tätige Chuzpe vieler Politiker, abseits von beschwörenden Lippenbekenntnissen. Und das ist kein Stammtischgeschwätz.

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