Von Claus Bach, 10. Oktober 2012, 11:26 Uhr

So wird in Berufskreisen die Inszenierung von Modefotografien im Obdachlosenlook genannt. Der sieht dann folgendermaßen aus:

Neben dem Einkaufswagen voller Bierbüchsen sitzt ein Model auf einem leeren Bierkasten und ist dabei in allersteuerste Designerklamotten gehüllt. Mehrschichtig übereinander, wie sich obdachlose Menschen in der nasskalten Jahreszeit ausrüsten: Mantel, Fellweste, Hemd, Hose, Stiefel. Selbstverständlich zünftig gestylt und versehen mit allen einschlägigen Accessoirs wie Handtaschen, Kettchen, Hut und so weiter.

Je nach Drehbuch werden dann die ausstaffierten Damen am Straßenrand, vor Supermärkten und öffentlichen Plätzen abgelichtet. Vermeintlich spektakulär.

Gern greifen Modedesigner in unregelmäßigen Abständen auf solche Art Präsentation zurück. Vor allem in Krisenzeiten wie dieser soll Aufmerksamkeit durch Provokation und Zynismus erregt werden.

Will sagen: Eure Armut kotzt mich an, entrüstet Euch.

Je öfter allerdings dieses Prinzip bedient wurde, desto weniger fand es Beachtung. Visuelle Abnutzung könnte ein Grund sein, Phantasielosigkeit ein anderer.

Diesmal hat es nun die deutsche Oktoberausgabe der Modezeitschrift „Vogue“ getan und geklotzt statt gekleckert:

Eine mehrseitige Fotostrecke zeigt Models, die wie hochgerüstete Pfingstochsen aussehen und abgeklärt in die Kamera blicken. Mit eins a Make up und einstudierter Pose. Kurz: stinklangweiliger Trash.

Indes will sich auch die erhoffte mediale Aufmerksamkeit nicht so richtig einstellen. Null Beschwerden aus der Öffentlichkeit, kein Spektakel, kein Volkszorn. Höchstens kritische Artikel aus Kollegenkreisen, die der Zeitschrift nachgeahmte kalkulierte Geschmacklosigkeit und dergleichen attestieren.

„Signs of the Time“ ist besagte Fotostrecke betitelt. Das soll wohl irgendwie zum Zeitgeist passen. So sicher war sich die Readktion dann aber doch nicht. Denn im Netz ist die Fotostrecke nicht zu finden.

Klar doch: Obdachlose haben weder Computer noch Smartphone. Pure homeless unchic sozusagen.

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