Ich bin ein Star

Holt mich hier raus! Zum zehn­ten mal haben sich diverse B und C -Promis in den deutschen TV -Dschun­gel Aus­traliens begeben. Dies­mal sogar mit einem gereiften Star ver­gan­gener DDR – Film – Zeiten.

Aus­gerech­net Win­fried Glatzeder, Haupt­darsteller des Kult­films „Die Leg­ende von Paul und Paula“ hat im Dschun­gel­camp eingecheckt. Spiegel Online war die Sache gle­ich ein sieben Minuten Vorab – Inter­view mit dem „Bel­mondo des Ostens“ und „Tatort-Darsteller“ wert. Der sogle­ich bekan­nte, nicht gewusst zuhaben, was er sich da eigentlich antun wird. Um danach schon irgend­wie zu beken­nen, dass es auch seine Kar­riere nochmals ein kleines biss­chen befeuern kön­nte.

Was einst umstrit­ten begann, ist heute längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekom­men. Konkur­renzbe­sessen berichten alle ser­iösen Medien – wenn es so was über­haupt noch gibt – über den exis­ten­ziellen Edel­trash.

So ergeben die Tre­f­fer des Such­be­griffs „Dschun­gel­camp“ im Netz an erster Stelle entweder stern.de oder Spiegel online. Und das nur zurecht. Denn dort wird wird jeder Tag beschrieben.

Süff­isant liefert die Autorin durchtriebene Sprüche, die sonst eher den Kol­le­gen der Regen­bo­gen­presse vor­be­hal­ten bleiben.
Nach­fol­gend eine Kost­probe:

„Achtung, Eierkopf – The­o­rie! So wie Dis­ney­land nach Ansicht des Philosophen Jean Bau­drillard nur darum als schein­bare Phan­tasiewelt gebaut wurde, damit man die ver­meintlich echte Welt für real hält. Eine plaka­tiv Ver­rückte als Tar­nung für den echten Irren, darum geht es.“

Auch die Autoren von stern.de lassen nichts anbren­nen. Indem sie einen pro und kon­tra – Kom­men­tar zum selb­st­gewählten Auszug des Schlager­sängers Michael Wendler abliefern.
Oder gle­ich­mal auf Glatzed­ers Kult­film anspie­len: „Während die Schlafla­bor-Patien­ten am Lager­feuer Tag um Tag »Die Leg­ende von faul und fauler« spie­len, musste Larissa immer­hin in schöner Regelmäßigkeit zur Prü­fung antreten“.

So wird auch dieses Jahr wieder rou­tiniert kosten­lose PR für den Pri­vat­sender geliefert.
Die Sache ist zum kom­men­tierten Rit­ual gewor­den.
Schräge, saugute Unter­hal­tung nen­nen es die Einen. Ordinäre TV – Massen­verblö­dung die Anderen.

Die vielle­icht tre­f­fend­ste Beze­ich­nung für die Angele­gen­heit fand ein­mal die deutsche Autorin Andrea Hün­niger:
„Sechs Stun­den Dschun­gel­camp anzuschauen, ist geistiges Water­board­ing für den Zuschauer.“
Freilich ist das ein bißchen viel. Aber es dürfte mehr als nur zutr­e­f­fend sein.