Von Claus Bach, 22. Januar 2014, 16:34 Uhr

Holt mich hier raus! Zum zehnten mal haben sich diverse B und C -Promis in den deutschen TV -Dschungel Australiens begeben. Diesmal sogar mit einem gereiften Star vergangener DDR – Film – Zeiten.

Ausgerechnet Winfried Glatzeder, Hauptdarsteller des Kultfilms „Die Legende von Paul und Paula“ hat im Dschungelcamp eingecheckt. Spiegel Online war die Sache gleich ein sieben Minuten Vorab – Interview mit dem „Belmondo des Ostens“ und „Tatort-Darsteller“ wert. Der sogleich bekannte, nicht gewusst zuhaben, was er sich da eigentlich antun wird. Um danach schon irgendwie zu bekennen, dass es auch seine Karriere nochmals ein kleines bisschen befeuern könnte.

Was einst umstritten begann, ist heute längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Konkurrenzbesessen berichten alle seriösen Medien – wenn es so was überhaupt noch gibt – über den existenziellen Edeltrash.

So ergeben die Treffer des Suchbegriffs „Dschungelcamp“ im Netz an erster Stelle entweder stern.de oder Spiegel online. Und das nur zurecht. Denn dort wird wird jeder Tag beschrieben.

Süffisant liefert die Autorin durchtriebene Sprüche, die sonst eher den Kollegen der Regenbogenpresse vorbehalten bleiben.
Nachfolgend eine Kostprobe:

„Achtung, Eierkopf – Theorie! So wie Disneyland nach Ansicht des Philosophen Jean Baudrillard nur darum als scheinbare Phantasiewelt gebaut wurde, damit man die vermeintlich echte Welt für real hält. Eine plakativ Verrückte als Tarnung für den echten Irren, darum geht es.“

Auch die Autoren von stern.de lassen nichts anbrennen. Indem sie einen pro und kontra – Kommentar zum selbstgewählten Auszug des Schlagersängers Michael Wendler abliefern.
Oder gleichmal auf Glatzeders Kultfilm anspielen: „Während die Schlaflabor-Patienten am Lagerfeuer Tag um Tag „Die Legende von faul und fauler“ spielen, musste Larissa immerhin in schöner Regelmäßigkeit zur Prüfung antreten“.

So wird auch dieses Jahr wieder routiniert kostenlose PR für den Privatsender geliefert.
Die Sache ist zum kommentierten Ritual geworden.
Schräge, saugute Unterhaltung nennen es die Einen. Ordinäre TV – Massenverblödung die Anderen.

Die vielleicht treffendste Bezeichnung für die Angelegenheit fand einmal die deutsche Autorin Andrea Hünniger:
„Sechs Stunden Dschungelcamp anzuschauen, ist geistiges Waterboarding für den Zuschauer.“
Freilich ist das ein bißchen viel. Aber es dürfte mehr als nur zutreffend sein.

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