Von Claus Bach, 23. Januar 2013, 13:31 Uhr

Mehr muss man gar nicht sagen. Zum neunten male haben sich diverse B -und C -Promis in den deutschen TV -Dschungel Australiens begeben.

Was seinerzeit umstritten begann, ist heute längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Fast alle seriösen Medien berichten online darüber. So ergeben die Treffer des Suchbegriffs „Dschungelcamp“ im Netz an erster Stelle nicht etwa RTL, sondern Spiegel online. Und das nur zurecht.

Denn dort wird wird jeder Tag beschrieben. Konkurrenzbesessen liefert der Autor flockige Sprüche, die sonst eher den Kollegen der Regenbogenpresse vorbehalten bleiben.

Und das beginnt wie folgt: „Das RTL-Dschungelcamp ist die größte Therapiemaßnahme für Ex- und Fast-Promis im deutschen TV. Im Reha-Check werden die Chancen der Insassen auf ein neues Leben bewertet.“ Und weiter: „Wie war der Tag? Das Wichtigste aus dem Camp…war nun, Hand aufs Herz, so „wichtig“ nun auch nicht, wie wir doch insgeheim alle wissen. Manche Leser wollen, dass wir viel genauer hinschauen, andere, dass wir angewidert wegschauen. Und uns statt dessen etwas Vernünftigerem widmen, vielleicht der zeitgenössischen Lyrik von Thomas Rosenlöchner oder der jüngsten Klanginstallation von Christina Kubisch. Die sitzen aber nicht im Camp.“

Und anschließend folgt der übliche Dschungelalltags -Klatsch.

Selbstredend werden freilich auch Zitate aufbereitet: „Den schönsten Satz des Abends sagte Olivia Jones, nach Fionas Lästerattacke hinter ihrem Rücken: „Mittlerweile wiegt Fiona nur noch zwei Kilo. Da ist das ganz normal, dass das Gehirn mal aussetzt“.

Aber auch zeitgeschichtliche Jahrestage werden gleich mal verhackstückt: „Das wichtigste war diesmal, wie damals in Stalingrad, die Feldpost aus der Heimat…“ Kein Witz!

So springt Spiegel Online auf den TV -Einschaltquoten -Karren des Privatsenders und liefert allerbeste kostenfreie PR. Mutwillige Schleichwerbung, ein bunter Strauß Verbalerektionen inbegriffen. Offensichtlich will man auch ein Stück vom medialen Aufmerksamkeits -Kuchen abbekommen.

Schräge, saugute Unterhaltung nennen es die Einen. Ordinäre TV – Massenverblödung die Anderen.

Die möglicherweise treffendste Bezeichnung für die Angelegenheit fand kürzlich die deutsche Autorin Andrea Hünniger:

„Sechs Stunden Dschungelcamp anzuschauen, ist geistiges Waterboarding für den Zuschauer.“

Freilich ist das ein bißchen viel. Aber es dürfte mehr als nur zutreffend sein.

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