Ich bin ein Star!

Mehr muss man gar nicht sagen. Zum neun­ten male haben sich diverse B -und C -Promis in den deutschen TV -Dschun­gel Aus­traliens begeben.

Was sein­erzeit umstrit­ten begann, ist heute längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekom­men. Fast alle ser­iösen Medien berichten online darüber. So ergeben die Tre­f­fer des Such­be­griffs „Dschun­gel­camp“ im Netz an erster Stelle nicht etwa RTL, son­dern Spiegel online. Und das nur zurecht.

Denn dort wird wird jeder Tag beschrieben. Konkur­renzbe­sessen liefert der Autor flock­ige Sprüche, die sonst eher den Kol­le­gen der Regen­bo­gen­presse vor­be­hal­ten bleiben.

Und das beginnt wie folgt: „Das RTL-Dschun­gel­camp ist die größte Ther­a­piemaß­nahme für Ex- und Fast-Promis im deutschen TV. Im Reha-Check wer­den die Chan­cen der Insassen auf ein neues Leben bew­ertet.“ Und weiter: „Wie war der Tag? Das Wichtig­ste aus dem Camp…war nun, Hand aufs Herz, so »wichtig« nun auch nicht, wie wir doch ins­ge­heim alle wis­sen. Manche Leser wollen, dass wir viel genauer hin­schauen, andere, dass wir angewidert wegschauen. Und uns statt dessen etwas Vernün­ftigerem wid­men, vielle­icht der zeit­genös­sis­chen Lyrik von Thomas Rosen­löch­ner oder der jüng­sten Klan­gin­stal­la­tion von Christina Kubisch. Die sitzen aber nicht im Camp.“

Und anschließend folgt der übliche Dschun­ge­lall­t­ags -Klatsch.

Selb­stre­dend wer­den freilich auch Zitate auf­bere­itet: „Den schön­sten Satz des Abends sagte Olivia Jones, nach Fionas Läster­at­tacke hin­ter ihrem Rücken: »Mit­tler­weile wiegt Fiona nur noch zwei Kilo. Da ist das ganz nor­mal, dass das Gehirn mal aus­setzt“.

Aber auch zeit­geschichtliche Jahrestage wer­den gle­ich mal ver­hack­stückt: „Das wichtig­ste war dies­mal, wie damals in Stal­in­grad, die Feld­post aus der Heimat…“ Kein Witz!

So springt Spiegel Online auf den TV -Ein­schaltquoten -Kar­ren des Pri­vat­senders und liefert allerbeste kosten­freie PR. Mutwillige Schle­ich­wer­bung, ein bunter Strauß Ver­balerek­tio­nen inbe­grif­fen. Offen­sichtlich will man auch ein Stück vom medi­alen Aufmerk­samkeits -Kuchen abbekom­men.

Schräge, saugute Unter­hal­tung nen­nen es die Einen. Ordinäre TV – Massen­verblö­dung die Anderen.

Die möglicher­weise tre­f­fend­ste Beze­ich­nung für die Angele­gen­heit fand kür­zlich die deutsche Autorin Andrea Hün­niger:

„Sechs Stun­den Dschun­gel­camp anzuschauen, ist geistiges Water­board­ing für den Zuschauer.“

Freilich ist das ein bißchen viel. Aber es dürfte mehr als nur zutr­e­f­fend sein.