Von Claus Bach, 21. Oktober 2009, 11:26 Uhr

..heißt eine Ausstellung des Leipziger Fotografen Erasmus Schröter, welche ab kommenden Sonntag in Köln zu sehen sein wird. Sie zeigt ausschließlich schwarzweiß –Fotografien aus den frühen 1980 iger Jahren der ehemaligen DDR.

Das ist nichts ungewöhnliches angesichts des 20.Jahrestags des Mauerfalles. Den nutzen schließlich viele ehemalige Protagonisten zur Selbstdarstellung. Und noch dazu, wenn es sich um simple Alltagssituationen handelt.

Inflationär schiessen uns Rückbesinnungs –Fotoshows unterschiedlichster Coleur ins Gesicht. Und meist kommen sie als geharnischter Fotojournalismus daher, welcher dann gleich mal eben zur Kunst hochstilisiert wird.

Doch hier verhält es sich anders. Man blickt in das Antlitz von Personen, die eigentümlich entrückt wirken. Und das nicht nur ob der Zeitspanne.

Der Fotograf hat sämtliche Bilder mittels Infrarot-Schwarzblitz aufgenommen. So was gab es damals auch schon. Freilich mußte man diese Technik erstmal kennen und noch dazu selbst zusammen bauen. Aber das war simpel und ging wie folgt: Ein Infrarotfilter wurde vor ein kleines Blitzgerät an der Kamera geklebt, im Fotoapparat befand sich Infrarot – Film als Aufnahmematerial.

Und fortan nahmen die so aufgenommenen Personen den Fotografen nicht mehr ernst – offensichtlich funktionierte ja sein Blitzgerät nicht mal richtig und es wurde sowieso nix.

Das war außerordentlich durchtrieben und wirkte wie ein visueller psychologischer Schutzschild. Denn schnell war die Anwesenheit des Fotografen vergessen und er selbst Teil der grauen Masse.

Herausgekommen ist eine Art fotografisch-realer Surrealismus, der Situationen einer eingefrorenenen Zeit irritierend konservierte. Die Figuren stehen wie eingemeißelt in Ihrer Umgebung, sei es in einem Vergnügungspark, an einer Bushaltestelle oder schlicht in der Landschaft. Besonders bizarr wurde es, als maskierte Personen oder gar Tiere ins Bild kamen. Etwa dann, wenn diverse Historien –Freaks die Völkerschlacht bei Leipzig nachstellten. Oder gar Tiere, wie der Titel eines Bildes verrät: “Ein Lama soll in einen Ballsaal geführt werden”: Links im Bild sieht man besagtes Lama mit seiner Pflegerin, rechts steht ein Mann im weißen Kittel und schaut auf die beiden.

So entstehen Ikonen einer in der Tat angehaltenen Zeit. Und die wird man so schnell nicht vergessen.

Die Ausstellung ist vom 25.10. Oktober bis 27. November 2009 in der Kölner Galerie „Binz & Krämer“ zu sehen.
Kompatibel erscheint das gleichnamige Buch „Im Mondschein – Fotografien aus der DDR“, herausgegeben vom Verlag für moderne Kunst

 

  1. Die Kommentarfunktion ist gesperrt.