Von Claus Bach, 3. August 2016, 12:07 Uhr

In welch dynamischer Zeit wir leben, muss nicht immer neu betont werden. Ebensowenig das Gebaren der Werbeindustrie im zeitgenössischen Aufmerksamkeitswettbewerb.
Vom Promi bis zum Nobody wird alles visuell benutzerdefiniert verhackstückt.
Auch das product placement in Spielfilmen ist zum Klassiker geworden.
Was mit beiläufigen Produkt – Einblendungen in James Bond – Filmen begann, hat längst eine weitere Ebene erreicht:
In Kino – Komödien wie „Was Frauen wollen“ oder „Victor Vogel: Commercial Man“ wurde die Marke ganz selbstverständlich Hauptgegenstand der Handlung.
So grübeln in ersterem Helen Hunt und Mel Gibson erfolgreich über eine Werbekampagne der Firma Nike, die es wirklich gegeben hat.
In „Commercial Man“ klaut Victor Vogel die Idee seiner Freundin für eine Werbekampagne der Firma Opel – in der realen Welt war besagte Idee ein Projekt des deutschen Künstlers Christian Jankowski.
In „Cast away“ gerät Tom Hanks durch einen Flugzeugabsturz für einige Jahre auf eine unbewohnte Insel. In Ausübung seines Jobs als leitender Angestellter des Transportunternehmens „FEDEX“.
Die Reihe lässt sich fortsetzen. Und warum auch nicht. Eigentlich ist das nur konsequent und allemal ehrlicher als verklemmtes Schwadronieren um den heißen Werbebrei einer Markenfirma.
So wird denn folgerichtig vor der Ausstrahlung eines Films im TV der Hinweis „Enthält Produktplazierung“ eingeblendet.
Ähnlich dem auf Lebensmittel – und anderen Produktverpackungen.
Wie sich das auf uns Verbraucher auswirken kann, erlebte ich an mir selbst:
Im Traum lag ich im Krankenhaus. Seit Tagen untersuchten mich die Ärzte und konnten nichts finden. Es sei wohl ein Virus in meinem Körper. Den müssten sie lokalisieren um ihn zu bekämpfen. Endlich war es soweit.
Zur Visite kamen drei Ärzte mit stolzen Gesichtern. Der Virus war gefunden und auch medizinisch zu neutralisieren.
Ich war erleichtert. Man ließ mich auf das Blatt mit den Untersuchungsergebnissen und der weiteren Behandlung schauen.
Ich las eine Menge schwer verständlicher wissenschaftlicher Formulierungen.
Als ich das Blatt wendete, war auf der Rückseite flächendeckend eine Anzeige des Lebensmittelkonzerns Nestlé abgedruckt.
Auf meinen irritierten Blick hin klärte mich einer der Ärzte auf:
„Seien sie dieser Firma dankbar. Sonst könnten wir unsere Medizintechnik schon längst nicht mehr bezahlen. Und Ihre Behandlung auch nicht.“
Da erwachte ich.

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