Von Claus Bach, 13. Januar 2010, 11:26 Uhr

…seit dreizehn Tagen wird schonungslos ganzkörpergescannt. Zumindest im Check-in des Flughafens Amsterdam. Von dem aus ist schließlich der Flugzeugattentäter am 1. Weihnachtsfeiertag 2009 an Bord gelangt.
Und freilich werden die Länder der Europäischen Union Ihre Flughäfen in den nächsten Monaten ähnlich aufrüsten. Was kürzlich noch mehrheitlich auf Ablehnung stieß, setzt sich jetzt durch.

Nun soll eine neue Scan – Software die Persönlichkeitsrechte der Fluggäste garantieren und gesundheitsunschädlich sein. Dann ist ja sicherheitstechnisch alles in Sack und Tüten. Und wer nach Amiland und anderswo hin fliegen will, findet sich halt mit dem Konrollscheiß ab. Ist ja auch besser als im Flieger in die Luft zu fliegen.

Aber was fällt noch auf? Im amtlichen Sprachgebrauch wird das Wort „Nacktscanner“ zunehmend peinlichst vermieden. Klingt ja auch ziemlich schweinisch. Trifft den sprichwörtlichen Nagel allerdings auf den Kopf: Denn schaut man sich die Bilder dieser Scanner an, erinnern sie schon an eine Art abstrakter Peepshow. Waren es vor zwei Jahren noch detailliert schockierende Röntgenbilder, sollen jetzt lediglich Umrißbilder der Flug-Probanden generiert werden.

Und in der Tat zeigen erste Beispiele ausschließlich anonyme Körperumrisse vor einfarbig – blauem Grund: Die sehen aus wie lustige, geliftete Comicfiguren eines Keith Haring der 1980 iger Jahre. Mit quietschgelben eckigen Flecken drauf, die eventuelle Sprengsätze und Waffen markieren. Beim ersten Blick harmlos und ein bißchen schräg. Als wäre ein Zeichner gerade dabei, neue Serienfiguren zu kreieren. Allerdings immer mit beidseits erhobenen Händen über dem Kopf. Das wird schwierig, weil das pure Hilflosigkeit suggeriert. Jede frisch verhaftete Person muss sich schließlich in diese Stellung begeben.

Aber vielleicht ist es eine nette Inspiration und Herausforderung für diverse Künstler. Und genau das könnte der einzige Nutzen der aktuellen Körperscanner sein.

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