Von Claus Bach, 8. März 2017, 12:43 Uhr

„Liebe Frauen und Mädchen, zum 08. März, dem Kampf- und Feiertag der Frauen der ganzen Welt, übermittelt Ihnen das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands die herzlichsten Grüße und Glückwünsche.“
Das waren die einleitenden Grußworte des ZKs der SED am 08. März 1989 an die werktätigen Damen der ehemaligen DDR.
Und wieder hatten sie eine weitere Glückwunschkarte in der Betriebspost – Ablage. Die sah meist so aus wie die alte. Inflationär war das. Denn in den letzten DDR – Jahren zeigten diese Karten ausschließlich farbige Blumenmotive. Nett garniert mit dünn geschwungenen Zierschriften.
Denn längst war auch der Frauentag zur propagandistischen Phrase verkommen.
Dass das in den den 1950iger Jahren anders war, beweisen Devotionalen vieler DDR – Archive.
So ist unter www.DDR-Geschichte.de ein Plakat aus dem Jahr 1950 zu sehen. Es erinnert an den 40. Jahrestag des internationalen Frauentages:
In der oberen Hälfte sieht man das Porträt seiner berühmten Initiatorin, Clara Zetkin. Ganz nüchtern in schwarzweiß. Darunter das Hauptmotiv: Ein junge Arbeiterin mit Kopftuch blickt über ein großes Lenkrad zielgerichtet in die Ferne. Erwartungsvoll und ehrgeizig sieht das aus. Die gesamte Grafik ist auffallend groß und orientierte sich freilich an sowjetischen Vorbildern. Inklusive kompatibler Blockschrift – Typografie.
Mit anderen Worten: Visueller Agit – Prop mit pragmatischem Hintergrund.
Denn infolge Männermangels in der Nachkriegszeit wurde jede Frau im sozialistischen Arbeitsalltag gebraucht.
Und selbstverständlich für die Öffentlichkeitsarbeit benutzerdefiniert verwertet.
Auf besagter Seite ist auch ein blaues Berliner Mitgliedsbuch des „DFD“ zu sehen. Der hieß „Demokratischer Frauenbund Deutschlands“ und wurde schon 1947 im damaligen Ostberlin gegründet. Hervorgegangen war er aus Teilen der internationalen Frauenrechtsbewegung und antifaschistischen Frauenausschüssen. Welche dann später auf einheitliche parteipolitische kommunistische Linie gebracht und zur Massenorganisation wurden. Als Teil des sogenannten „Demokratischen Blocks“ der Nationalen Front der DDR. Wie letztere löste sich auch
der DFD nach der Wende auf.
Eine Demonstrationsparole vom Herbst 1989 brachte die Sache auf den Punkt. Sie lautete treffend:
„Schluss mit dem DFD – Dienstbar, Folgsam, Dumpf“
Für viele Frauen war der internationale Frauentag zu DDR – Zeiten deshalb mehr als nur penetrant.
Was heute gänzlich anders ist.
Und selbst die blumigen Frauentags – Glückwunschkarten sind aus den Auslagen der Geschäfte verschwunden.
Schade eigentlich.

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