Jubiläum

„Liebe Frauen und Mäd­chen, zum 08. März, dem Kampf- und Feiertag der Frauen der ganzen Welt, über­mit­telt Ihnen das Zen­tralkomi­tee der Sozial­is­tis­chen Ein­heitspartei Deutsch­lands die her­zlich­sten Grüße und Glück­wün­sche.“
Das waren die ein­lei­t­en­den Gruß­worte des ZKs der SED am 08. März 1989 an die werk­täti­gen Damen der ehe­ma­li­gen DDR.
Und wieder hat­ten sie eine weit­ere Glück­wun­schkarte in der Betrieb­spost – Ablage. Die sah meist so aus wie die alte. Infla­tionär war das. Denn in den let­zten DDR – Jahren zeigten diese Karten auss­chließlich far­bige Blu­men­mo­tive. Nett gar­niert mit dünn geschwun­genen Zier­schriften.
Denn längst war auch der Frauen­tag zur pro­pa­gan­dis­tis­chen Phrase verkom­men.
Dass das in den den 1950iger Jahren anders war, beweisen Devo­tionalen vieler DDR – Archive.
So ist unter www.DDR-Geschichte.de ein Plakat aus dem Jahr 1950 zu sehen. Es erin­nert an den 40. Jahrestag des inter­na­tionalen Frauen­t­ages:
In der oberen Hälfte sieht man das Porträt seiner berühmten Ini­tia­torin, Clara Zetkin. Ganz nüchtern in schwarzweiß. Darunter das Haupt­mo­tiv: Ein junge Arbei­t­erin mit Kopf­tuch blickt über ein großes Lenkrad ziel­gerichtet in die Ferne. Erwartungsvoll und ehrgeizig sieht das aus. Die gesamte Grafik ist auf­fal­l­end groß und ori­en­tierte sich freilich an sow­jetis­chen Vor­bildern. Inklu­sive kom­pat­i­bler Blockschrift – Typografie.
Mit anderen Worten: Visueller Agit – Prop mit prag­ma­tis­chem Hin­ter­grund.
Denn infolge Män­ner­man­gels in der Nachkriegszeit wurde jede Frau im sozial­is­tis­chen Arbeit­sall­tag gebraucht.
Und selb­stver­ständlich für die Öffentlichkeit­sar­beit benutzerdefiniert ver­w­ertet.
Auf besagter Seite ist auch ein blaues Berliner Mit­glieds­buch des „DFD“ zu sehen. Der hieß „Demokratis­cher Frauen­bund Deutsch­lands“ und wurde schon 1947 im dama­li­gen Ost­ber­lin gegrün­det. Her­vorge­gan­gen war er aus Teilen der inter­na­tionalen Frauen­rechts­be­we­gung und antifaschis­tis­chen Fraue­nauss­chüssen. Welche dann später auf ein­heitliche parteipoli­tis­che kom­mu­nis­tis­che Linie gebracht und zur Massenor­gan­i­sa­tion wur­den. Als Teil des soge­nan­nten „Demokratis­chen Blocks“ der Nationalen Front der DDR. Wie let­ztere löste sich auch
der DFD nach der Wende auf.
Eine Demon­stra­tionspa­role vom Herbst 1989 brachte die Sache auf den Punkt. Sie lautete tre­f­fend:
„Schluss mit dem DFD – Dien­st­bar, Fol­gsam, Dumpf“
Für viele Frauen war der inter­na­tionale Frauen­tag zu DDR – Zeiten deshalb mehr als nur pen­e­trant.
Was heute gän­zlich anders ist.
Und selbst die blu­mi­gen Frauen­tags – Glück­wun­schkarten sind aus den Aus­la­gen der Geschäfte ver­schwun­den.
Schade eigentlich.