Von Claus Bach, 27. Februar 2013, 13:52 Uhr

An einer Hauswand der ein Pfund Sterling – Ladenkette „Poundland“ im Norden Londons prangt seit Sommer 2012 eine Schablonengraffity. Sie heißt „Sklavenarbeit“ und zeigt einen Jungen, der an einer Nähmaschine mehrere kleine Junion Jacks zu einer Fahnenkette zusammen näht.

Ein kritischer Bildkommentar zu den Konsequenzen von Billig – Märkten.
Aber wohl auch zu den Aktivitäten der anstehenden Olympischen Sommerspiele.

Es handelt sich dabei um eine Arbeit des anonym agierenden Street – Art Künstlers Namens „Banksy“. Seit über zehn Jahren reagiert er mit seinen markanten Graffitys auf die Situation eines Ortes und hat es zu Weltruhm gebracht. Fast per Selbstläufer.

Banksy ist Kult geworden. Nicht durch seinen Namen – den immer noch keiner kennt. Sondern durch seine Wandwerke und vor allem die medialen Reaktionen darauf.

Auch der internationale Kunstmarkt hat reagiert und veräußert seine Werke mittlerweile wie Fetische. Was wiederum die Situation besagter Kindersklaven – Arbeiter – Graffity erklärt:

Denn seit einigen Wochen fehlt sie plötzlich an der Wand der Billigmarkt – Kette. Sie wurde akribisch entfernt und tauchte kurz darauf auf einer Kunstauktion in Miami / USA auf.

Als das bekannt wurde, demonstrierten die Einwohner des Londoner Stadtteils für die Rückfuhr des Werkes an seinen ursprünglichen Platz. Street -Art sollte nicht in private Sammlerhände gelangen.

So musste auf den medialen Druck der Öffentlichkeit besagte Auktion abgesagt werden. Jetzt wird freilich gestritten, wem nun eigentlich Street-Art Werke gehören. Klare Antwort: Selbstverständlich der Öffentlichkeit.

So kann es auch mal kommen: 
Das Publikum ist zum Akteur geworden und hat gleich mal den feudalistischen Kunstmarkt unterlaufen. Das ist mehr als ein Novum.

Fast ist man geneigt, den penetranten Spruch „Kunst gehört dem Volk“ zu zitieren.

Vielleicht könnte dieses Beispiel sogennater „Kommunikationsguerillia“ zu einer neuen Kunstrichtung des 21. Jahrhunderts avancieren.

Fehlt nur noch ein Ausstellungskurator, der das dann am richtigen Platz zum richtigen Zeitpunkt massenwirksam verkündet.

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