Kopf und Körper

Kraft­fahrer, kommst Du von Erfurt nach Weimar, erwartet Dich am Stad­trand was ganz was feines: Das erste von ins­ge­samt drei SPD-Wahlkampf-Plakaten.

Und das Sub­stan­tiv „Kampf“ hat die Partei dur­chaus wörtlich genom­men.

Denn ganz in pro­le­tarischer Manier greift diese Kam­pagne die poli­tis­chen Geg­ner zün­ftig an. Eigentlich ist das gut und fol­gerichtig. Und die von der Wer­beagen­tur „But­ter“ erdachte Plakat­strecke setzt dabei auf die klas­sis­che Bild­mon­tage von Kopf und Kör­per, welche der deutsche Kün­stler Klaus Staeck schon in den siebziger Jahren wirkungsvoll zele­bri­erte.
Zu sehen sind nun drei Motive, welche parteibezo­gen ein Geld­stück, einen Haifis­chkopf und einen Haar­fön anstelle des Kopfes auf den Schul­tern eines Oberkör­pers zeigen. Let­zterer stil­isiert einen Schlip­sträger in weißem Hemd und lila Krawatte.

„Dump­inglöhne wür­den CDU wählen“ ziert so die Grafik mit einer herunter klap­pen­den 50 Cent – Münze auf dem Hals des Schlip­strägers. Ergänzt wird das Ganze mit der Forderung „Für ein Europa der fairen Löhne“ Doch Vor­sicht, schon das kön­nte zum Selb­st­tor wer­den – noch sehr leb­haft ist die Ein­führung der „Ein Euro-Jobs“ inklu­sive Harz -Geset­zen als SPD-Erfind­ung im Gedächt­nis.
Ähn­lich riskant das Motiv, welches einen Haar­fön anstelle des Kopfes zeigt:

„Heiße Luft würde die Linke wählen“ steht daneben. Autsch, ger­ade da müsste sich die SPD mehr als an die lange Nase fassen – wie war das doch im let­zten Wahlkampf mit der strik­ten SPD-Ablehnung der Mehrw­ert­s­teuer­erhöhung und deren zwan­glosem Durch­winken in der großen Koali­tion? Und der Zusatz „Für ein Europa, in dem Ver­ant­wor­tung zählt“ toppt das Ganze auf bizarre Art und Weise. Und auch mit EU-Wahlplakat Num­mer drei sollte sich die SPD mehr als nur zurück­hal­ten. Neben einem Haifis­chkopf liest man doch tat­säch­lich:

„Finanzhaie wür­den FDP wählen“ – ups, was war denn das? War da jemand in der SPD-Zen­trale völ­lig auf Speed? Auf ein der­ar­tiges selb­stiro­nis­ches Zer­rbild muss man erst­mal kom­men. Kom­pli­ment. Denn was der CDU die schwarzen Kassen waren, sind eini­gen SPD-Größen die Finanzskan­dale – inklu­sive staatlich gestützter, via­gra-beschle­u­nigter Bor­dellbe­suche eines Herrn Harz.
Erin­nert man sich dessen, erhält der Zusatz „Für ein Europa, in dem klare Regeln für alle gel­ten“ eine ganz eigene Bedeu­tung. Die kann man sich dann – buch­stäblich – auf der Zunge zerge­hen lassen.

Fazit: Diese Plakatak­tion hat es in sich. Noch nie hat eine Volkspartei ihre leeren Ver­sprechen der­art unfrei­willig offen gelegt und dabei ein­fältig auf die Vergesslichkeit der Bürger spekuliert. So  gese­hen ist das schon wieder ehrlich. Aber vielle­icht merkt es ja wirk­lich keiner. Die Agen­tur „But­ter“ jeden­falls hat bril­lante Arbeit geleis­tet.