Von Claus Bach, 29. April 2009, 11:26 Uhr

Kraftfahrer, kommst Du von Erfurt nach Weimar, erwartet Dich am Stadtrand was ganz was feines: Das erste von insgesamt drei SPD-Wahlkampf-Plakaten.

Und das Substantiv „Kampf“ hat die Partei durchaus wörtlich genommen.

Denn ganz in proletarischer Manier greift diese Kampagne die politischen Gegner zünftig an. Eigentlich ist das gut und folgerichtig. Und die von der Werbeagentur „Butter“ erdachte Plakatstrecke setzt dabei auf die klassische Bildmontage von Kopf und Körper, welche der deutsche Künstler Klaus Staeck schon in den siebziger Jahren wirkungsvoll zelebrierte.
Zu sehen sind nun drei Motive, welche parteibezogen ein Geldstück, einen Haifischkopf und einen Haarfön anstelle des Kopfes auf den Schultern eines Oberkörpers zeigen. Letzterer stilisiert einen Schlipsträger in weißem Hemd und lila Krawatte.

„Dumpinglöhne würden CDU wählen“ ziert so die Grafik mit einer herunter klappenden 50 Cent – Münze auf dem Hals des Schlipsträgers. Ergänzt wird das Ganze mit der Forderung „Für ein Europa der fairen Löhne“ Doch Vorsicht, schon das könnte zum Selbsttor werden – noch sehr lebhaft ist die Einführung der „Ein Euro-Jobs“ inklusive Harz -Gesetzen als SPD-Erfindung im Gedächtnis.
Ähnlich riskant das Motiv, welches einen Haarfön anstelle des Kopfes zeigt:

„Heiße Luft würde die Linke wählen“ steht daneben. Autsch, gerade da müsste sich die SPD mehr als an die lange Nase fassen – wie war das doch im letzten Wahlkampf mit der strikten SPD-Ablehnung der Mehrwertsteuererhöhung und deren zwanglosem Durchwinken in der großen Koalition? Und der Zusatz „Für ein Europa, in dem Verantwortung zählt“ toppt das Ganze auf bizarre Art und Weise. Und auch mit EU-Wahlplakat Nummer drei sollte sich die SPD mehr als nur zurückhalten. Neben einem Haifischkopf liest man doch tatsächlich:

„Finanzhaie würden FDP wählen“ – ups, was war denn das? War da jemand in der SPD-Zentrale völlig auf Speed? Auf ein derartiges selbstironisches Zerrbild muss man erstmal kommen. Kompliment. Denn was der CDU die schwarzen Kassen waren, sind einigen SPD-Größen die Finanzskandale – inklusive staatlich gestützter, viagra-beschleunigter Bordellbesuche eines Herrn Harz.
Erinnert man sich dessen, erhält der Zusatz „Für ein Europa, in dem klare Regeln für alle gelten“ eine ganz eigene Bedeutung. Die kann man sich dann – buchstäblich – auf der Zunge zergehen lassen.

Fazit: Diese Plakataktion hat es in sich. Noch nie hat eine Volkspartei ihre leeren Versprechen derart unfreiwillig offen gelegt und dabei einfältig auf die Vergesslichkeit der Bürger spekuliert. So  gesehen ist das schon wieder ehrlich. Aber vielleicht merkt es ja wirklich keiner. Die Agentur „Butter“ jedenfalls hat brillante Arbeit geleistet.

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