Von Claus Bach, 25. April 2018, 19:19 Uhr

Vor einigen Tagen ließ sich der chinesische Künstler Ai Weiwei bereitwilligmit der AFD – Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel in einem Berliner Restaurant auf ein Selfi ein.
Danach postete Weidel das Foto im Netzwerk Twitter. Einer Trophäe gleich. Viele AFD – Anhänger lobten Weidels gelungene Provokation.
Freilich löste das auch heftige Kritik am Künstler aus. Der reagierte gelassen und kommentierte schlicht: „Obwohl ihre Ansichten völlig gegensätzlich zu meinen sind, hat niemand das Recht, über sie persönlich zu richten…“ Und weiter: „Ich glaube nicht, dass gegensätzliche politische Anschauungen oder Werte ein Hindernis für Kommunikation sein sollten. Ich kämpfe dafür, dies Grenzen einzureißen.“

Das klingt selbstverständlich klug und plausibel. Liebe Deine Feinde und zelebriere die Gegensätze.
Der außerordentlich erfolgreiche und umtriebige Ai Wei Wei sollte sich allerdings trotzdem fragen, für welche Zwecke er visuell verhackstückt wurde. Trotz seiner coolen Reaktion.

Er muss es schließlich wissen und hat die Zensur am eigenen Leib erlebt. Die Regierung seines Heimatlands hat ihn als kritischen Geist unter Vorwänden kriminalisiert und ausgesperrt. Mittlerweile lebt er in Berlin und ist selbstverständlich immer zur Stelle, wenn es um Einforderung von Menschenrechten geht. Inbegriffen sein Engagement für Flüchtlinge.

Mal animierte er Promis und Partygäste einer Berliner Film – Gala, sich Mummenschanz – artig in goldene Lebensrettungsdecken zu hüllen. Oder posierte als gestrandeter toter Flüchtling am Ufer des Mittelmeeres.
Eine eher peinliche denn aufrüttelnde Situation, die mit voyeuristischer Agitprop – Geste auffallen will.

So mutiert Ai Weiwei ganz sanft zum Berufs – Märtyrer und wird dabei zum gesellschaftlichen Label, dass zur Vergewisserung des zeitgenössischen deutschen Meinungskonsens beiträgt.
Als lebender Beweis für Artikel fünf des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland.

Doch darunter leidet eines, dass ihn in früheren Jahren hervorhob. Da hatte er noch mutig alle gesellschaftlichen Widersprüche empathisch zum Thema gemacht. Sich selbst inbegriffen.
Vor allem aber hat er sich von niemandem vereinnahmen lassen.

Das ist ihm abhanden gekommen. Geblieben ist ein matter Abglanz seiner selbst. Gefangen im goldenen Gesellschaftskäfig eigener benutzerdefinierter Künstlerprominenz.

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