Von Claus Bach, 17. November 2010, 11:26 Uhr

Wer kennt das nicht: Das selbst gemachte Urlaubsfoto ist viel zu hell geworden. Trotz genauer Belichtung und Entwicklung.

Freilich schlicht ärgerlich. Die lieben Freunde oder Verwandten sind nur noch schemenhaft oder gar nicht mehr zu erkennen. Der ganze Aufwand umsonst. Frustrierend.

Der Grund für den Fehler lag im System: Sogenanntes „Fremdlicht“ war für die Sache verantwortlich. Damit bezeichnet die analoge Foto – Fachsprache einen störenden Lichteinfall während der eigentlichen Aufnahme. Ausgelöst wurde sowas durch ein undichtes Gehäuse des Fotoapparates oder der Spule, in welcher sich der Film befand.

Und eben das hatte dann die fies überblendeten Bilder zur Folge. Sahen einige Partien dieser Fotos in der Mitte noch „normal“ aus, waren sie nach den Rändern hin ganz hell und fast weiß. Meist schmiss man sowas weg. Manchmal aber gab das einen schönen Effekt und passte sogar irgendwie zum Foto. Oder es war das einzig vorhandene Motiv.

Auch nutzte der besonders wilde Foto-Experimentator diesen Umstand zur Aufbesserung seiner Bilder. „Partielle Aufhellung“ hieß das dann und war allerdings besonders schwer zu machen.

In allen Fällen jedoch wurden diese Lichtfehler – Fotos aufgehoben. Aus eben jenen Gründen der Einzigartigkeit. Und gelangten so in die „Fotothek“ nach Weimar.

Diesem Phänomen widmet sich nun ihr aktuelles Projekt: Unter dem Titel „Einfall – es ereignet sich augenblicklich“ stellt Ladeninhaberin Anke Heelemann solche Bilder ihres Archivs vor und macht das Ereignis auch greifbar. Als ein sich ständig verändernder Prozess:

So kann man in dieser Ausstellung mehrere überlichtete Uralubsfotos via Overhead – Projektion selber neu zusammenfügen. Eine spannende Sache. Die Besucher werden zu Gestaltern eigener Bilderwelten. Mit anderen Worten: Mach aus Fehlerbildern unbekannter Menschen Deine eigenes Freizeit – Foto – Puzzle. Ganz analog. Ohne armseliger Sklave der Technik zu werden. Das hat doch was und ist noch dazu visuell – philosophisch, wie der Projekttext verrät:

„Der Beobachter ergänzt, projiziert und imaginiert – er füllt die Leerstellen und bildet neue Geschichten durch das Experimentieren mit Bildfehlern und wird somit selbst Teil dieser interaktiven Raumsituation.“

Besagte Ausstellung ist vom 26. November bis  22. Dezember im „betahaus“ Berlin in der Prinzessinnenstraße 19 – 20 zu sehen.
Immer Montag bis Freitag von 09.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

Kommentiere den Artikel oder setze einen Trackback

Bisher keine Kommentare zum Artikel

  1. Bisher keine Kommentare

Kommentiere den Artikel

SPAM-Schutz
Wenn Du kein SPAM-Bot bist,
fülle bitte dieses Feld aus. *
Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen