Von Claus Bach, 31. Mai 2017, 11:17 Uhr

Auch der Weimarer Künstler Benedikt Braun wurde von der Klassikstiftung Weimar eingeladen, sich mit Werk und Person des Archäologen Johann Joachim Winkelmanns auseinander zu setzen. Ein Statement des selbsternannten ultrafreien Künstlers lautet wie folgt:
„Winckelmanns Kunstbegriff kann ich nicht teilen. Kunst hat für mich keine Aufgabe. Kunst ist Kunst. Wie auch immer. Humor kann mich zuweilen bei Kunstwerken ansprechen. Auch Verdrehungen, Irritationen, Invertierungen, Oberflächen und Tiefen machen für mich Kunstwerke interessant.“

Nach entsprechender Recherche zwecks Schärfung seines Winckelmann – Bildes ist Braun dann zu folgendem Schluss gekommen: Hinter der Winckelmannschen Formel von „edler Einfalt und stiller Größe“ verbirgt sich nichts weiter als hintergründig ausgelebte Homosexualität.
Genau dafür mussten die männlichen Helden – und Götterstatuen der Antike herhalten. Alles nur Vorwand unter dem Etikett des idealen schönen Scheins. Oder, mit Braunschen Worten: Schwule Griechen eben.
Als logische Konsequenz sind nun zwei hochformatige schwarzweiße Silhouettenbilder entstanden.
Jeweils 110 cm x 80 cm. Die sehen im ersten Augenblick irritierend und recht brutal aus. Wie rätselhafte Geschosse oder dergleichen. Aber sie zeigen nichts anderes als stark vergrößerte Abbildungen sogenannter Anal drops. Gemeinhin auch als Arschstöpsel bekannt. Ordinäres Sexspielzeug also.
Ich sehe was, was Du nicht siehst“ nennt Braun seine Bilder.
Damit bringt er die Winckelmannsche Schönheitsformal durchtrieben auf den Punkt. Hinter der Kulisse idealisierter Schönheit kann man die tollsten Dinge treiben. In alle Richtungen. Siehe Winckelmann.

Selbstverständlich ist das frech und gemein.
Aber nur im ersten Moment. Denn im zweiten kann es einen Freiraum für ganz andere Vorstellungen vermeintlich idealer Schönheit schaffen.

Zusammengefasst: Die minimalistische Form des gemeinen Arschstöpsels kann durchaus inspirierender sein als die eines feinen antiken Frauen – oder Männerkörpers.
Alles eine Frage der Vorstellungskraft. Den Rest erledigt die massenhaffte visuelle Verbreitung.
So einfach kann das manchmal sein.

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