Von Claus Bach, 21. Mai 2014, 13:15 Uhr

Schon seit gefühlten zehn Wochen springt uns der unbekümmerte Charme des selbstgebastelten Wahlplakates vom Straßenrand an.
Zur anstehenden Kommunalwahl geben die lokalen Parteistrategen wieder einmal alles, was sie können oder nicht wirklich können. Denn selbstverständlich muss enthemmt geworben werden.

Ein Ritual nach bekanntem Muster. Die Kandidaten und Kandidatinnen werden abgebildet und mit einem einprägsamen Spruch versehen. Je nach Parteicoleur kristallisieren sich dabei rasch die üblichen Verdächtigen unter den Machern heraus.

Diesmal überrascht die lokale FDP Fraktion mit dem schockierenden Konterfei eines ziemlich erschöpften Kandidaten. So sieht jemand nach übertrieben körperlicher Anstrengung aus. Aus rein humaner Sorge vor noch größerer zukünftiger Belastung ist er schon mal gar nicht wählbar. Mehr bizarres Anti – Plakat geht eigentlich nicht.

Da sind die fröhlichen Gruppenbilder der GRÜNEN Partei hoffnungsvoller. Restlos überzeugend wären die steifen Fotostudio-Schnappschüsse allerdings erst in frisch ergrünter Natur gewesen.

Die Fraktion der WEIMAR – WERKER fällt wie immer auf. Diesmal mit durchgehend schwarzweiss fotografierten Porträts ihrer Kandidaten. Old school sozusagen. Auch das Layout der Plakate kommt diesmal schnörkellos daher und konzentriert sich ganz und gar auf die Wirkung der abgebildeten Personen. Das ist herausragend. Klassischer Realismus wurde als Parteireklame eingesetzt. Eine schöne Idee.

Doch auch die SPD fällt mit ihrer Sichtreklame auf. Einerseits durch Größe und Menge der Plakate. Andererseits durch meist auffallend professionell fotografierte Kandidaten. Als ob die Agentur der Berliner Zentrale den Weimarer Wahlkampf in die Hand genommen hätte. Eine Spur zu fremdbestimmt.

Die Parte der Linken ist da praktischer. Mittels großem Wimmelbild werden die wichtigsten Statements via Sprachblasen komprimiert übermittelt. Die Comic-Referenz mag ein bisschen übertrieben sein, funktioniert aber gut im Aufmerksamkeitswettbewerb.

Fazit: Auch diesmal werden wir bis zum Sonntag einem ausgesprochen unterhaltsamen visuellen Humus örtlicher Sichtreklame ausgesetzt sein.

Der bisherige Plakatierungsrekord ist an einem Straßenbeleuchtungsmast entlang der Erfurter Straße zu bewundern:
Da tummeln sich sechs angetakkerte Partei -Reklametafeln. Von drei bis zehn Meter aufwärts. Das bringt die Angelegenheit auf den Punkt.

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