Von Claus Bach, 25. Mai 2011, 12:05 Uhr

So einfach kann das manchmal sein: Für ein nettes Erinnerungsfoto stellt oder setzt man sich neuerdings nicht mehr vor die Kamera und posiert. Nein.

Man legt sich waagerecht hin. Auf den Bauch. Mit dem Gesicht stur nach unten. Und macht sich dabei steif wie wie ein Brett. Im Englischen eine Plank.

Und die kann bekanntlich überall herumliegen: Auf dem Boden, im Wohnzimmer, im Büro, auf einem Haus, auf der Straße, einer Baustelle, am Brunnen, in der Landschaft und so weiter.

„Planking“ heißt dieser aktionistische Fotosport und hat sich binnen eines Jahres rasant ausgebreitet. Freilich dank der Verbreitung übers Internet in dessen Foren. Denn dafür ist die Sache letztens gemacht. Ein kollektiver, absolut sinnfreier Spaß im Netz. In der Regel bisher nur von jungen Menschen durchgeführt. Und die haben auch gleich die Erklärung für die Sache parat:

„Einfach etwas vollkommen Sinn- und Zweckloses zu tun, nur um seiner selbst willen, ist für uns alle wichtig. Und steht im Kontrast zu den Anforderungen, die die Gesellschaft gerade an junge Menschen stellt.“

Den Anfang machte wohl jemand schon vor einigen Jahren in England. „Lying Down Game“ hieß das damals noch. Im Juli 2010 wurde dann in Australien „Planking“ daraus. Und ist seither zum angesagten Szene -Trend geworden. Eine Spontan-Foto-Aktion, wenn man so will. Aber sie erzählt auf ihre Weise auch etwas von einer neuen, wohl eher unfreiwilligen Verweigerungshaltung: Denn wer sich so hinlegt, ist auch nicht mehr so rasch zu erkennen. Und signalisiert eine gewisse Sperrigkeit.

Man hält sich also nicht mehr das buchstäbliche Brett vor den Kopf. Nein, man ist es selbst. Man ist ein Ding, ein Objekt. Eigentlich mehr als sinnfrei, sondern beinahe genial.

Doch wie so oft, artete die Angelegenheit irgendwann aus. Vor zehn Tagen stürzte ein betrunkener Planker vom Balkon und starb. Wieder in Australien.

Jetzt hat auch das Planking seine Unschuld verloren. Was dem Fotosport allerdings keinen Abbruch tat. Im Gegenteil. Nun setzte der Hype erst richtig ein: Immer gefährlichere „Planks“ – Planking-Aktionsbilder – tauchen auf einschlägigen Facebook-Seiten auf.

Trotz vieler Apelle für sicheres Planken ist eine neue Art „Jackass-Foto-Kamikaze“ entstanden. Das wird wohl zukünftig schwer, da raus zu kommen.

Vorausgesetzt, man will es überhaupt:

Homeplanking

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Bisher 1 Kommentar zum Artikel

  1. Kommentar von Sandra

    Davon hab ich auch schon gehört. Man denkt im ersten Moment gar nicht, dass so etwas auch gefährlich sein kann – ist es aber scheinbar doch. Irgendwie faszinierend finde ich es trotzdem, auf die Idee muss man schließlich erst einmal kommen.

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