Mauerreste

Als die Berliner Mauer vor 21 Jahren fiel, war Monate später fast nichts mehr von ihr übrig. Bekan­ntlich wur­den ihre markan­testen Teile weltweit zum Verkauf ange­boten. Und so ste­hen sie heute an ver­schieden­sten Plätzen der Welt, 59 an der Zahl. Laut Recherche der „Berliner Zeitung“ sind sie auf allen Kon­ti­nen­ten zu finden. Dort sollen sie freilich an das ein­ma­lige 1989iger Ereig­nis erin­nern.

Zugle­ich wirken sie wie eine Art Fremd­kör­per und Fetisch. Irgend­wie aber­witzig und exo­tisch.

Seit Ende April 2010 gehört nun auch Weimar zur Liste der Mauer­rest -Stan­dorte. Fast unbe­merkt wur­den zwei Mauerteile vor dem Atrium –Einkauf­shaus aufgestellt. Groß und bunt ste­hen sie nun da. Und trotz­dem über­sieht man sie fast. Denn das Gebäude dahin­ter ist noch viel größer.

Auch einen Kom­men­tar sucht man vergebens. Offen­sichtlich wird voraus­ge­setzt, dass alle Besucher mit der Herkunft der Teile ver­traut sind. Eigentlich eine gut gemeinte Sache. Zwar ein biss­chen irri­tierend, die Dinger kön­nten ebenso Wer­beauf­steller sein.

Und so stellt man denn sein Fahrrad direkt neben einem Stück Deutscher Geschichte ab. Schwer zu sagen, ob sich da ein gedenk­endes Moment an den ehe­ma­li­gen antifaschis­tis­chen Schutzwall ein­stellt. Kurz vor der Kampf­preis-Tour und anderen Kaufentschei­dun­gen.

Aber auch gut möglich, dass das Erin­nern im All­tag so funk­tion­ieren kann. Denn was aber­witzig wirkt, bleibt meist länger im Gedächt­nis. So wie eben ein Mauer­rest –Fremd­kör­per.

Nun kann also auch Weimar einen orig­i­nal Berliner 1989iger Geschichts­fetisch vor­weisen.

Wer weiß, wozu es mal gut ist.