Von Claus Bach, 10. November 2010, 11:26 Uhr

Als die Berliner Mauer vor 21 Jahren fiel, war Monate später fast nichts mehr von ihr übrig. Bekanntlich wurden ihre markantesten Teile weltweit zum Verkauf angeboten. Und so stehen sie heute an verschiedensten Plätzen der Welt, 59 an der Zahl. Laut Recherche der „Berliner Zeitung“ sind sie auf allen Kontinenten zu finden. Dort sollen sie freilich an das einmalige 1989iger Ereignis erinnern.

Zugleich wirken sie wie eine Art Fremdkörper und Fetisch. Irgendwie aberwitzig und exotisch.

Seit Ende April 2010 gehört nun auch Weimar zur Liste der Mauerrest -Standorte. Fast unbemerkt wurden zwei Mauerteile vor dem Atrium –Einkaufshaus aufgestellt. Groß und bunt stehen sie nun da. Und trotzdem übersieht man sie fast. Denn das Gebäude dahinter ist noch viel größer.

Auch einen Kommentar sucht man vergebens. Offensichtlich wird vorausgesetzt, dass alle Besucher mit der Herkunft der Teile vertraut sind. Eigentlich eine gut gemeinte Sache. Zwar ein bisschen irritierend, die Dinger könnten ebenso Werbeaufsteller sein.

Und so stellt man denn sein Fahrrad direkt neben einem Stück Deutscher Geschichte ab. Schwer zu sagen, ob sich da ein gedenkendes Moment an den ehemaligen antifaschistischen Schutzwall einstellt. Kurz vor der Kampfpreis-Tour und anderen Kaufentscheidungen.

Aber auch gut möglich, dass das Erinnern im Alltag so funktionieren kann. Denn was aberwitzig wirkt, bleibt meist länger im Gedächtnis. So wie eben ein Mauerrest –Fremdkörper.

Nun kann also auch Weimar einen original Berliner 1989iger Geschichtsfetisch vorweisen.

Wer weiß, wozu es mal gut ist.