Von Claus Bach, 25. Februar 2009, 11:26 Uhr

Erinnern wir uns: Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts  war es noch wenigen sehr gut betuchten Computerfreaks und Künstlern vorbehalten: Das Verändern der Fotos menschlicher Körper und Gesichtszüge mittels Bildbearbeitungssoftware im Computer – in der Fachsprache „Morphing“, zu deutsch „Gestaltwechsel“, genannt.
Dieser „Vorsprung durch Technik“ wurde freilich zur erfolgsorientierten beruflichen Profilierung genutzt, und so tauchten plötzlich digitalisierte menschliche Flachware-Zombies vor unseren Augen auf:

Visuelle Mixturen, bestehend aus dem Kopf eines Mannes, der mit Körper oder Gliedmaßen eines eines Kleinkindes oder einer Frau generiert wurde und umgekehrt. Oder menschliche Porträts, denen die Augen herausgerechnet wurden, so daß sie zu anonymen Wesen mutierten – der noch der intelligenteste Verweis auf zukünftige optische Uniformität und buchstäbliche Gesichtlosigkeit.

Was damals noch bisweilen als kreative Pionierleistung galt, ist heute dank preiswerter und leicht zu bedienender Technik Allgemeingut geworden.
Und so kam es, wie es kommen mußte: Optische Misch-Klone der allerfeinsten Art treiben nun Ihr Unwesen. In diversen Internet-Communities kann man auch seine eigenen Kreationen oder besser Composings im Wettbewerb mit den anderen zur Schau stellen: www.worth1000.com ist eine davon. Und eben dort gibt es die Rubrik „Ultimate Celebrities“, also berühmte Schauspieler/Innen, welche ausserordentlich bizzar gemorphte Promi-Mixturen präsentieren:
So besteht ein Porträt aus den Haaren von Jessica Alba, dem Körper von Jennifer Lopez, dem Gesicht von Angelina Jolie und – den Augen von Halle Berry. Diese Reihe setzt sich freilich auch mit den Namen beliebig
fort: Angelina Berry, Jennifer Mendez, Fergalie Joston, Cindy Bellucci, Monica Crawford, Eva Richards, Denise Theron und so weiter. Und auch die männlichen Kollegen wie Brad Depp, Johnny Pitt, Kiefer Baldwin oder Lawrence Sutherland fehlen nicht.
Doch was idealisierte Schönheit generieren will, gerät ins glatte Gegenteil:
Herausgekommen sind Promi-Zombies, bei deren Anblick auch der hartgesottenste Filmkonsument schon mal ins Schaudern gerät. Solche Wesen könnten prima im nächsten Horrorfilm mitspielen, dessen Geschichte nicht vom Untoten Graf Dracula und seinen Gespielinnen handelt, sondern von der des Schönheits-Chirurgen Franz und seinen Patientinnen.
Ein klassisches B-Movie also, und gerade deshalb gut.


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