Von Claus Bach, 27. April 2016, 13:54 Uhr

Selten wurde nach der Ausstrahlung der dritten Ausgabe des Weimarer Tatorts soviel gestritten. In allen Medien wurde „Der Treue Roy“ durchgenommen.
Wunderbare Kriminalgroteske sagen die einen, das Allerletzte nennen es die anderen. Und setzen gleich noch eins drauf. Frecher Missbrauch von Fernsehgebühren und so weiter. Das wird selbstverständlich immer gern herbeigeredet. Vor allem dann, wenn der erwartete Spannungs – und Unterhaltungseffekt schmerzlich vermisst wird.
Doch auch über den lokalen Bereich hinaus hat die Krimigroteske vom vergangenen Sonntagabend polarisiert.
Die „Junge Welt“ zelebriert einen Rundumschlag unter Verwendung eigener angegilbter Postwende – Klischees: „Nachschlag: Zone als Motiv“ titelt sie und rückt den Streifen in die Nähe postmoderner Krimiparodie, der “…kein Gag zu fade war und kein Klischee zu abgedroschen: der vereinsamte Stahlarbeiter, der Zinnfiguren bemalt und einer Prostituierten verfällt, die ihren Wohnwagen im Plattenbaugebiet aufgestellt hat; seine Schwester vom Typ Zonengabi; trottelige Polizisten, die sich von einem mutmaßlichen Täter die Pistole klauen lassen, die dann aber doch nicht geladen ist; die das Fluchtauto nicht ankriegen, aber immer ein Goethe – Zitat auf den Lippen haben. Wenn das das Bild von Thüringen ist, das der MDR in die Republik senden wollte, muss er sich nicht wundern, wenn die Antwort ist: Bleibt bei eurer Blutwurst und überlasst das Filmemachen anderen.“

Doch ausgerechnet die Süddeutsche Zeitung ist komplett gegenteiliger Meinung und meint: „So unangestrengt kann Witz aussehen…„Warum der Klamauk im Weimarer Tatort viel gelungener als der aus Münster ist.“
Und weiter: „Die Weimarer Kommissare Dorn und Lessing zeigen einmal mehr, wo das wahre Humor-Zentrum des deutschen Krimifernsehens zu finden ist.“
Siehe Zitat des treuen Roy: „Okä. Go to Flughafen Umpferstedt. It’s for Flugzeuge. Ja? Ein Acker mit Windsack. I am in einer Stunde bei you.“
Schon lange konnte man nicht mehr über derart tiefschwarzen, bizarren Humor im TV lachen. Der noch dazu in durchtrieben komponierten Kapiteln zelebriert wurde. So gelang Drehbuchautoren, Regisseur und Darstellern ein seltener Kunstgriff. Denn der gewohnt allsonntägliche Krimi – Konsens wurde erfrischend ad absurdum geführt.
Das mag freilich nicht jedem gefallen. Aber es ist herausragend.

Sie können jederzeit einen eigenen Kommentar mit Hilfe des Formulars am Seitenende hinzufügen.

Bisher keine Kommentare zum Artikel

  1. Bisher keine Kommentare

Kommentiere den Artikel

SPAM-Schutz
Wenn Du kein SPAM-Bot bist,
fülle bitte dieses Feld aus. *
Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen