Von Claus Bach, 11. Februar 2009, 11:26 Uhr

…war sich selbst die Thüringer Allgemeine, ein Foto des noch verletzten Thüringer Ministerpräsidenten auf ihrer Titelseite am vergangenen Montag  abzudrucken. Die Bildunterschrift lautete schlicht:

Gezeichnet: Dieter Althaus am Wochenende bei einem Spaziergang in der Altstadt von Konstanz“.

Zu sehen ist das Gesicht eines Mannes mit blauer Basecap, der abwesend ins Leere blickt. Abgespannt und müde wirken seine Augen unter dem dunklen Schirm der Mütze. So sieht das Antlitz eines Menschen aus, der sich nicht wehren kann. Ein verstörender Moment, der den verletzten Althaus spektakulär zur Schau stellt und ihn wie einen Freigänger erscheinen lässt.

Das ist nicht mehr nur gemein, sondern richtig brutal.
Niemand, aber auch niemand möchte so der Öffentlichkeit preisgegeben werden.

Also simple zeitgenössische visuelle Schadenfreude unter dem Etikett des medialen Informationswettbewerbes. Schließlich geht es um Personen von öffentlichem Interesse. Und die haben manchmal eben außerordentlich schlechte Karten – willkommen im ganz ordinären Paparazzi-Sumpf.

Geschossen hat die Aufnahme der Thüringer Allround-Fotojournalist Jörg Völkerling – immer dabei, wenn Promis diverser Coleur oder Nobodys in spektakulären Klemmen sind und demzufolge rege im Geschäft.
Für die Bild-Zeitung und andere berichtet er seit Althaus Skiunfall ausführlich über den Fortgang der Ereignisse und nimmt freilich jede auch nur mögliche Foto-Chance wahr. Damit steht er nicht allein. Schließlich gibt es noch eine Menge anderer Kollegen. Und es ist nur folgerichtig, die Althaus-Bilder  im Rundumschlag eben gleich mal allen potenten Nutzern zum Verkauf anzubieten. Damit hat er offensichtlich einen guten Schnitt gemacht.
Allerdings sind einige dieser Fotos seit gestern von der Website der Bildzeitung verschwunden.
Und auch die „Thüringer Allgemeine“ zeigt sie nicht mehr.
Stattdessen eine Aufnahme von vielen Hinterköpfen unter Regenschirmen während der Beerdigung von Althaus Vater in Heiligenstadt infolge strikten Fotografierverbots.
Anonym, und situationsbedingt sogar aussagekräftig.

Fast eine Art Reue der Medien nach der Vorführe der letzten Tage. Ungewöhnlich.
Und wenn Herr Völkerling nun noch sein Althaus-Fotohonorar der Johanniter-Unfallhilfe spenden würde, wäre die Welt wieder in Ordnung. Kurzfristig

Sie können jederzeit einen eigenen Kommentar mit Hilfe des Formulars am Seitenende hinzufügen.

Bisher keine Kommentare zum Artikel

  1. Bisher keine Kommentare

Kommentiere den Artikel

SPAM-Schutz
Wenn Du kein SPAM-Bot bist,
fülle bitte dieses Feld aus. *
Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen