Von Claus Bach, 29. Mai 2013, 11:05 Uhr

Welche Wirkung Shitstorm- Kampagnen im Internet haben, zeigt jüngst der Fall der Edelmarke „Abercrombie & Fitch“.
Aus Protest gegen die zynischen Werbesprüche des Klamottenlabels hatte sich die Bewegung „Fitchthehomeless“ im Internet rasend schnell verbreitet:
Dabei verschenken Leute ihre teuren Markenklamotten an Obdachlose und filmen sie anschließend. „Zu hässlich für dieses Shirt“ oder „Zu dick für dieses Shirt“ steht auf Pappschildern, die dann von den Protagonisten in die Kamera gehalten werden.

Seit einigen Tagen hat die Internet- Spontanaktion Eigendynamik angenommen:
Eine prominente beleibte US-Bloggerin hat sich aus Protest gegen Abercrombie & Fitch leicht bekleidet mit einem schlanken Männermodel fotografieren lassen. Und dem Chef des Labels einen geharnischten Brief geschrieben.

Ein Hamburger Getränkehersteller ließ seine aktuellen Werbeträger, „Männer mit Ecken und Kanten“, gleich mal vor der lokalen Dependance des Edellabels medienwirksam aufmarschieren.

Aber es kommt noch dicker:
Denn jetzt fühlen sich die obdachlosen Akteure der „Fitchthehomeless“- Kampagne vorgeführt. Ihre Situation würde von anderen spektakulär verhackstückt. Angeblich wurden die meisten nicht mal gefragt, ob sie gefilmt werden dürfen.
„Glaubt er, er ist im Zoo?“ empörte sich ein gefilmter Obdachloser.

In der Tat suggeriert „Fitchthehomeless“ wider Willens, dass Obdachlose das „Niederste vom Niedersten sind“.
Da wurden einige wehrlose Personen instrumentalisiert. Andere wiederum hatten freiwillig an der Kampagne teilgenommen.

Soviel mediale Offentlichkeit wurde in den letzten Monaten kaum einem Unternehmen zuteil. Eine optimalere Reklame kann es für „Abercrombie & Fitch“ nicht geben. Nochdazu kostenlos.

Doch nun wendet sich die Angelegenheit gegen das Label. Die Verkaufszahlen sind seit den letzten Wochen dramatisch rückläufig.

Die Firmenleitung machte die kalte Witterung für den Umsatzeinbruch verantwortlich. So kann man sich auch herausreden.

Ein kalter Frühling für die Edelmarke.

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