Opfer

Man startet den Rech­ner und öffnet das Textpro­gramm. Danach tippt man per Tas­tatur die Worte „Ich bin Opfer des Neuen Bauhaus – Muse­ums“.

Möglichst groß im Quer­for­mat DIN A4. Der Schrift­typ ist egal, Haupt­sache leser­lich.
Anti­qua ist gut, was klas­sis­ches.

Dabei soll das Wort „Opfer“ möglichst groß und flam­mend rot erscheinen.
Kein Prob­lem.
Anschließend wird das aus­ge­druckte Exem­plar in eine passende Prospek­thülle gesteckt.

Und fer­tig ist das Sicht­ma­te­r­ial für die Protes­tak­tion gegen die beab­sichtigte Fäl­lung diverser Bäume im Zuge  der erwäh­n­ten Bau­maß­nahme.

Opti­maler Weise soll­ten freilich gle­ich mehrere dieser wet­tergeschützten Protest – Zettel ange­fer­tigt wer­den. Pro Baum drei bis vier. Man kann nie wis­sen. Vielle­icht so etwa 40.

Anschließend beg­ibt man sich in den Park und sucht sich für die Aktion einige beson­ders auf­fäl­lige Baum – Exem­plare aus. Schließlich soll von der Sache Sym­bol­wirkung aus­ge­hen.

Egal, welche Bäume von den zukün­fti­gen Killern erledigt wer­den und welche nicht.

Mit­tels Strick wer­den nun jew­eils vier der hergestell­ten Markierungszettel um einen Baum gebun­den.
Und fer­tig ist die kleine, aber feine Protes­tak­tion gegen die Errich­tung des Neuen Bauhaus – Muse­ums.

Ab sofort heißt es nicht mehr »Trommle Dich frei«, son­dern:
»Demon­striere Dich frei.“

Dumm nur, dass kein einziger der von den Akteuren bezettel­ten Bäume jemals gefällt wird. Das stellte die Stadtver­wal­tung nochmals richtig.

Da hät­ten sich die Aktivis­ten der Piraten­partei wohl doch kundig machen sollen.
Bevor sie ein­gangs beschriebene Aktion am 20. Feb­ruar 2015 real­isierten.

An jenem Tag sollte der erste Spaten­stich für das geplante Museum erfol­gen.

Eine pein­liche Angele­gen­heit. Klas­sis­cher Demo – Dilet­tan­tismus.

Unfrei­willig steht der auch exem­plar­isch für die Aktiv­itäten der selb­ster­nan­nten „Ini­tia­tive Stadt­fo­rum“.
Mit zäher Beständigkeit ist jene bekan­ntlich auf Kom­plett – Ver­hin­derung des geplanten Muse­um­sneubaus abon­niert.

Koste es, was es an juris­tis­chem Aufwand für alle Beteiligten wolle.

Und über­haupt:
Die Ini­tia­toren dieser Ini­tia­tive soll­ten wis­sen, dass der Entwurf des Neuen Bauhaus-Muse­ums den ursprünglichen Park – Charak­ter des Ass­bach – Straßen­zugs vor seinem städte­baulichem Abschliff durch die Nazis wieder auf­greift.

Schon oft hat die Kul­turstadt Weimar die Chance ver­tan, den so wichti­gen kul­turellen Bogen in die Gegen­wart zu schla­gen und zeit­genös­sisch lebendig zu bleiben. Hof­fentlich kommt es dies­mal anders.