Von Claus Bach, 6. September 2017, 10:20 Uhr

Ein Gespenst geht um in Weimar. Nein, diesmal ist es nicht das des Karl Marx’schen Kommunistischen Manifests. Sondern jenes des plakatierten Wahlkampfs.
Mindestens alle vier Jahre werden die Straßenränder auch in der Beamten, – und Pensionärsstadt mit Wahlplakaten bekannter Coleur zugetakkert. Das es visuell nur so kracht.
Und selbstverständlich hat das in Weimar Tradition. So gibt der Suchbegriff „Wahlplakate in Weimar“ im Internet zuallererst Wahlwerbung der „Weimarer Republik“ der 1920iger Jahre des vorigen Jahrhunderts preis. Was freilich mit gleichnamiger erster demokratischen Grundordnung auf deutschem Boden zu tun hat. Deren Inhalte changierten zwischen extrem polarisierenden Fronten. Rechter Nationalismus traf auf den proletarischen Internationalismus der Kommunistischen Partei. Inklusive verschiedener Splittergruppen. Damals setzten die Parteien wesentlich stärker auf großflächige malerisch – zeichnerische Darstellungen. Mit erzählendem Symbolgehalt. Sieht man einmal von den berühmten Fotomontagen eines John Heartfield ab.

Blickt man heute auf einen sogenannten „Fünfspänner“ an einem Straßenlampenmast, sind meist mittelmäßig fotografierte Konterfeis der jeweiligen Parteiköpfe im A2- Format zu fünft übereinander auszumachen. Versehen mit einer knappen Parole, die im Gedächtnis der Betrachter/innen haften bleiben soll.
Kurzum: Alles zum Gähnen, weil vorhersehbar. Auf diesen Umstand hatte die Redaktion des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“ reagiert. Indem sie acht Künstler einlud, ihre persönlichen Wahlplakate zu entwerfen.
In Heft 34 konnte man die Ergebnisse anschauen. Trotz des Adjektivs „persönlich“ sind die bisweilen recht treffend geraten.

Die echte Wahlkampf – Kommunikationsguerillia haben allerdings die Aktivisten der Partei „Die Partei“ abgeliefert. Indem sie in monatelanger Vorarbeit Fangruppen der AFD im Netzwerk Facebook kaperten. Seit einigen Tagen verkündet besagte Partei nun den Vollzug: Man sei in 31 geheime AFD – Facebook – Gruppen erfolgreich eingedrungen, habe diese unterwandert, deren Administratoren entfernt und durch eigene ersetzt. Auch unter Zuhilfenahme sogenannter Bots.
Um der rechtskonservativen Partei neue Impulse zu verleihen, wie es hieß. Nun wurden Parolen gepostet, die der AFD kaum gefallen dürften.
Beispielweise: „Hetze gegen Muslime ist aber sofort gegen Mekka auszurichten.“ Oder: „Kritik am Gender – Irrsinn muss geschlechtsneutral formuliert werden.“
„Von nun an werden Sie ausschließlich von echten Menschen verarscht!“
Und abschließend, als Fazit:
„Wer eine Facebook-Gruppe nicht aufrecht erhalten kann, wird es mit einem ganzen Land erst recht nicht schaffen.“
Das verkündete der Wortführer der Aktion, Satiriker Shahak Shapira.

Darauf kann er mehr als stolz sein. So geht Wahlkampf im Jahre 2017.

 

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