Von Claus Bach, 10. Oktober 2018, 13:43 Uhr

So klang es am vergangenen Freitag im Londoner Auktionshaus Sotheby’s, während sich das Bild „Girl with Balloon“ des Street Art Künstlers Banksy selbstständig schredderte.
Nachdem ein Telefonbieter das Werk für 1,04 Millionen britische Pfund ersteigerte, erklang jener piepsende Warnton. Anschließend setzte sich die Mechanik im Rahmen des Bildes in Gang und zerschnitt es akkurat vertikal. Unterhalb des Rahmens hing nun etwa die Hälfte des kleinen Bildes in schmalen Streifen herunter. Selbstverständlich war das illustre Kunstkäufer – Publikum im Saal erschrocken bis verstört.
Hatte doch soeben ein Künstler den internationalen Kunstmarkt erfrischend vorgeführt.
Doch der vermeintliche Schockzustand währte nur kurz. Mit der trockenen Bemerkung des Senior Auktionators “Es scheint so, das wir gerade gebanksyed wurden” ging jener anschließend zur Tagesordnung über.
Freilich reagierten alle Medien sofort. Binnen Minuten wurde das Ereignis Thema in sämtlichen Netzwerken und verbreitete sich rasend schnell.
Indes kommentierte der agierende Künstler auf seiner Homepage das Ereignis mit dem süffisanten Kommentar „Going, going, gone“. Dazu war ein Video zu sehen, welches die minutiöse Vorarbeit zu dem Coup zeigte. Als da wären die Bastelarbeiten für jenen Schredder – Mechanismus samt Auslöser, welcher im unteren Teil des Bilderrahmens installiert wurde.
Selbstverständlich erzeugte Banksys Aktion ein Maximum an weltweiter Aufmerksamkeit und wurde von der Öffentlichkeit mit Schadenfreude als eine gelungene Aktion gegen die feudalistischen Strukturen des internationalen Kunstmarkts wahrgenommen. Zumal besagter Künstler bis heute seine Anonymität stur bewahrt und sich gern als eine Art Robin Hood des kommerziellen Kunstbetriebs in Szene setzt.

Allerdings darf bezweifelt werden, ob jene skandalträchtige Schredder – Aktion denn so subversiv und konsumkritisch daher kommt oder nur ein außerordentlich clever eingefädelter PR – Trick ist. Allzu routiniert waren die Reaktionen der Mitarbeiter jenes Auktionshauses. Was eher die Vermutung nährt, dass man auf die Sache vorbereitet war.
Im Blog der Wochenzeitung „Der Freitag“ schreibt Künstler und Autor Diego Castro treffend:

„Es ist kaum denkbar, dass in einem derartig der Sorgfalt verpflichteten Gewerbe wie dem hochpreisigen Sekundärmarkt, ein solcher Eingriff in das Bild nicht aufgefallen wäre. Die ganze Inszenierung riecht nach Pseudo – Kritik, aus welcher das Objekt der Kritik als Gewinnerin hervorgeht: Der Kunstmarkt ist auch hier wieder Kriegsgewinnler eines in Komplizenschaft arrangierten Kriegsspiels. Der ökonomische Wert von Banksys Werk wird wahrscheinlich steigen, bis die Blase irgendwann platzt“.
Bis dahin hat auch die Kommunikationsguerilla ihren Star. Offen ist noch, ob der Käufer das angeschredderte Werk behält oder reklamiert. Kleiner Scherz am Rande.