Piep, piep, piep

So klang es am ver­gan­genen Fre­itag im Lon­doner Auk­tion­shaus Sotheby’s, während sich das Bild „Girl with Bal­loon“ des Street Art Kün­stlers Banksy selb­st­ständig schred­derte.
Nach­dem ein Tele­fon­bi­eter das Werk für 1,04 Mil­lio­nen britis­che Pfund ersteigerte, erk­lang jener piepsende Warn­ton. Anschließend set­zte sich die Mechanik im Rah­men des Bildes in Gang und zer­schnitt es akku­rat ver­tikal. Unter­halb des Rah­mens hing nun etwa die Hälfte des kleinen Bildes in schmalen Streifen herunter. Selb­stver­ständlich war das illus­tre Kun­stkäufer – Pub­likum im Saal erschrocken bis ver­stört.
Hatte doch soeben ein Kün­stler den inter­na­tionalen Kun­st­markt erfrischend vorge­führt.
Doch der ver­meintliche Schock­zu­s­tand währte nur kurz. Mit der trock­e­nen Bemerkung des Senior Auk­tion­a­tors “Es scheint so, das wir ger­ade gebanksyed wur­den” ging jener anschließend zur Tage­sor­d­nung über.
Freilich reagierten alle Medien sofort. Bin­nen Minuten wurde das Ereig­nis Thema in sämtlichen Net­zw­erken und ver­bre­it­ete sich rasend schnell.
Indes kom­men­tierte der agierende Kün­stler auf seiner Home­page das Ereig­nis mit dem süff­isan­ten Kom­men­tar „Going, going, gone“. Dazu war ein Video zu sehen, welches die minu­tiöse Vorar­beit zu dem Coup zeigte. Als da wären die Baste­lar­beiten für jenen Schred­der – Mech­a­nis­mus samt Aus­löser, welcher im unteren Teil des Bilder­rah­mens instal­liert wurde.
Selb­stver­ständlich erzeugte Banksys Aktion ein Max­i­mum an weltweiter Aufmerk­samkeit und wurde von der Öffentlichkeit mit Schaden­freude als eine gelun­gene Aktion gegen die feu­dal­is­tis­chen Struk­turen des inter­na­tionalen Kun­st­markts wahrgenom­men. Zumal besagter Kün­stler bis heute seine Anonymität stur bewahrt und sich gern als eine Art Robin Hood des kom­merziellen Kun­st­be­triebs in Szene setzt.

Allerd­ings darf bezweifelt wer­den, ob jene skan­dal­trächtige Schred­der – Aktion denn so sub­ver­siv und kon­sumkri­tisch daher kommt oder nur ein außeror­dentlich clever einge­fädel­ter PR – Trick ist. Allzu rou­tiniert waren die Reak­tio­nen der Mitar­beiter jenes Auk­tion­shauses. Was eher die Ver­mu­tung nährt, dass man auf die Sache vor­bere­itet war.
Im Blog der Wochen­zeitung „Der Fre­itag“ schreibt Kün­stler und Autor Diego Cas­tro tre­f­fend:

„Es ist kaum denkbar, dass in einem der­ar­tig der Sorgfalt verpflichteten Gewerbe wie dem hoch­preisi­gen Sekundär­markt, ein solcher Ein­griff in das Bild nicht aufge­fallen wäre. Die ganze Insze­nierung riecht nach Pseudo – Kri­tik, aus welcher das Objekt der Kri­tik als Gewin­nerin her­vorgeht: Der Kun­st­markt ist auch hier wieder Kriegs­gewinnler eines in Kom­plizen­schaft arrang­ierten Kriegsspiels. Der ökonomis­che Wert von Banksys Werk wird wahrschein­lich steigen, bis die Blase irgend­wann platzt“.
Bis dahin hat auch die Kom­mu­nika­tion­s­guerilla ihren Star. Offen ist noch, ob der Käufer das angeschred­derte Werk behält oder reklamiert. Kleiner Scherz am Rande.