Von Claus Bach, 18. April 2015, 15:26 Uhr

Seit einigen Wochen ist in Mainz ein Streit der ganz besonderen Art ausgebrochen.
Die örtliche Dachdecker – Firma namens Thomas Neger existiert dort seit über sechzig Jahren. Bis heute wird das Unternehmen in Familientradition geführt. Ebenso alt ist deren Firmenlogo.
Es zeigt einen stilisierten dunklen Kopf mit dicken Lippen und großen runden Ohrringen, welcher einen Dachdecker – Hammer hochhält.
Das Motiv stellt den damaligen Firmengründer Ernst Neger in ironisch gemeinter Anspielung auf seinen Namen und sein Hobby dar. Neben seinem Beruf war er damals auch ein populärer Fastnachts – Sänger.
Der singende Dachdecker Ernst Neger. Eigentlich wissen das die Mainzer Ureinwohner auch. Noch bis vor kurzem störte sich niemand daran.
Doch jetzt ist das anders:
Im Zuge der hitzigen Debatte um Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit wird das Logo nun von immer mehr Studenten und Bürgern kritisiert und dessen Abschaffung gefordert.

Das wiederum hat bizarre Gegenreaktionen zur Folge:
So ließ sich kürzlich der örtliche Vorsitzende der Jungen Union, Felix Leidecker, zu einer besonders provozierenden Aktion hinreißen: Er ließ sich fotografieren, wie er in einen Schaumkuss beißt. Und postete das Bild als Profilfoto auf seiner Facebook – Seite. 61 Menschen gefiel das erstmal. „Lecker Negerkuss“ war einer von vielen Kommentaren. Oder: „Wir lassen uns nichts von der selbsternannten Sprachpolizei vorschreiben“.
Doch das waren noch die mildesten Reaktionen.

Wider Willens hat Leidecker nun eine regelrechte Hasskampagne gegen alles Fremde losgetreten.
Und die richtig bösen geistigen Zombies auf den Plan gerufen. Dabei tritt die Frage nach dem traditionell – rassistischen Charakter des Logos immer mehr in den Hintergrund.

Die Verwirrung ist komplett. Dachdecker – Meister Thomas Neger verteidigt freilich das alte Firmenlogo mit seiner Facebook – Seite „Ein Herz für Neger“. Die wiederum wird ebenfalls mit beunruhigenden Hass – Kommentaren der Logo – Befürworter an die Logo – Gegner belegt.

Beispiel gefällig? Bitte: „Der Tag wird kommen, an dem so Typen wie ihr nicht mehr laufen könnt, weil dann in Deutschland aufgeräumt wird… Gleise sind noch vorhanden.“

So schnell kann heute eine Provinzposse aus dem Ruder laufen.
Und das ist nicht mehr nur beunruhigend, sondern schlicht widerlich.

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