Von Claus Bach, 20. Februar 2008, 11:26 Uhr

…waren nur drei von Berufsfotografen angewandte Praktiken, um die Entwicklung eines kleinen Polaroid-Sofortbildes nach der Aufnahme zu forcieren. Die machte man immer, um am Set Komposition und  Lichtführung zu überprüfen. Und angeblich sollte die Selbstentwicklung dieser kleinen „Polas“, wie sie im Fachjargon heißen, durch reiben und wedeln oder gar körpereigener Wärme forciert werden. Doch das war eher die psychologische Überbrückung des Wartens auf das fertige Bild – am besten entwickelt es sich nämlich ganz still, „flach liegend und bei  optimaler Temperatur von zwanzig Grad.“ So lautet jedenfalls die Empfehlung des Herstellerkonzerns, der Firma Polaroid. Damit allerdings dürfte es nun leider so gut wie vorbei sein: Denn letzte Woche gab der Konzern die endgültige Stillegung seiner Produktionsstrecke von Sofortbildkameras bekannt – Grund sind die stark rückläufigen Umsätze, geschuldet der Durchsetzung der digitalen Fotografie. Eine Ära von immerhin 60 Jahren neigt sich so dem Ende zu. Und das ist wahrhaftig ein Jammer: Umgab doch die kleinen, sich vor den eigenen Augen selbst entwickelnden Bildchen eine ganz besondere Aura. Ihnen wohnte ein Zauber inne, waren sie doch auch inspirierendes Kommunikationsmittel. Überflüssig zu sagen, daß sich dessen nicht wenige Künstler bedienten. Doch bei aller Sentimentalität wird freilich auch gern vergessen, dass die viel geliebten Sofortbilder wahrhaftig ihren Preis hatten: Neben dem Geldwert waren sie vor allem extrem chemieabfallastig, regelrechte Umweltkiller – schaut man sich die Überreste eines entwickelten Sofortbildes an. Allein der Geruch spricht Bände. Doch ganz verschwinden wird dieses Varfahren bestimmt nicht – zu groß ist die diesbezügliche Fangemeinde, und so gibt es auch schon erste Übernahme – Investoren für Polaroids Produktsparte.
Und – entgegen des digitalen Trends – macht sich nebenher auch eine neue Gegenbewegung breit: „Analog rockt!“ lautet trotzig der Slogan auf der Website http://www.vfdkv.de/, die seit einem Jahr unbelehrbar als „Verein für Digitalkameraverweigerer“, abgekürzt „VFDKV“, existiert und unter anderem vermeintliche Schadensbegrenzung betreiben will: Romantisch gelebte Rückbesinnung an Zeiten selbst entwickelter Negative und Vergrösserungen in der Dunkelkammer. Ein bisschen zu nostalgisch – vor allem was die Fotos selbst betrifft. Da sind die ebenfalls angebotenen T-shirts mit dem bewußten Slogan schon besser.
Denn schließlich müssen ja nicht alle als Digitaltechnik-Probanden in Eigenfinanzierung verenden.

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