Von Claus Bach, 5. Juni 2016, 14:52 Uhr

Seit einigen Wochen lädt die Klassikstiftung Weimar Künstler – Absolventen der Bauhaus – Universität ein, „Werke der Ernestiner-Ausstellung neu zu interpretieren und Ideen sowie Herangehensweise in einem kurzen Text zu beschreiben.“

In Teil drei der Reihe „Ernestiner trifft Bauhaus“ widmet sich die freie Künstlerin Franziska Becher einem weiteren Exponat der Schau:
Dem „Reformationsteppich“ des Künstlers Seeger Bombek aus dem Jahr 1555. In Form einer Tapisserie ist zu sehen, wie schwebende Engel eine Tafel mit Zitaten zum Sieg über Tod und Teufel tragen. Im Werk ist auch der christliche Reformator Martin Luther auszumachen.
Bei dem Teppich handelt es sich um die Verbildlichung eines Religionskrieges.
Bekanntlich dienten Bilder bis etwa ins 19. Jahrhundert als propagandistische Nachrichtenvermittler.

Franziska Becher interpretiert nun diesen Teppich als „Instrumentalisierung der Religion in Krieg und Kampf“.
Und transformiert das Werk in die Gegenwart. Unter Verwendung von Bildern unserer digitalen Nachrichtenwelt. Formal verwendet sie den Charakter eines Triptychons:
So steht nun links im Bild ein vermummter IS – Kämpfer. In der Bildmitte ist das schwarzweiß – Foto eines Kriegsgebietes im Nahen Osten mit einer riesigen Rauchwolke zu sehen. Rechts im Bild ist die Universalwaffe (fast) jedes zeitgenössischen Krieges abgebildet. Das Maschinengewehr vom Typ Kalaschnikow.
Alle drei Bildelemente wurden mit ornamentalen farbigen Motiven des 1555iger Teppichs versehen.

Franziska Bechers Absicht ist fast schon überdeutlich zu erkennen. Dazu schreibt sie:
„Religiöse Versprechungen wie Erlösung und Leben nach dem Tod werden von den kriegsführenden Staaten zur Motivation eingesetzt.“
Im Gegensatz zum romantisierenden „Reformationsteppich“ vermittelt Bechers zeitgenössische Interpretation mehr als nur Unbehagen. Kommentierend trägt sie den englischen Titel „The Release“ zu deutsch „Die Freigabe“.

In nüchterner Art wirkt diese Arbeit wie eine ästhetisch komprimierte Nachrichtenmontage aktueller Kampfhandlungen in den Krisengebieten Syriens. Ein Split Screen der letzten Terrorattacke mit sinisterer Vorahnung, die über die Gegenwart hinaus weist.
Und genau das ist herausragend.

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