Von Claus Bach, 21. Oktober 2015, 13:00 Uhr

oder: Zieh Dein Smartphone und mach endlich das verdammte Foto.
Fast unmerklich ist nachfolgende Situation in unserem Alltagsleben angekommen:
Ein paar Leute sitzen auf einem öffentlichen Platz zusammen. Obwohl sie sich offenbar gut kennen, reden sie nicht miteinander. Denn alle sind mit ihren Smartphones beschäftigt.
Eine Situation, die längst Normalität geworden ist.

Das ist auch dem finnischen Fotografen Eric Pickersgill aufgefallen. An einem Morgen konnte er sowas in einem Café beobachten. Eine vierköpfige Familie saß am Nachbartisch. Der Vater und seine zwei Töchter waren ausschließlich mit ihren Smartphones beschäftigt. Permanent online. Einkaufen, Preise vergleichen, Spiele zocken, simsen und so weiter. Während dessen blickte die Mutter traurig aus dem Fenster in die Ferne. Völlig allein gelassen und bar jeder Kommunikation.

Pickersgill erzählt von dem Schock dieser Erfahrung. Und auch, was es in ihm ausgelöst hat. Denn nun spann er den Faden weiter und generierte eine schwarzweiss – Fotoserie, die es in sich hat:
Auf 34 Fotografien inszenierte er alltägliche Situationen, die verschiedenste Personen unterschiedlichster Altersgruppen beim Benutzen ihrer Smartphones und Tablets zeigen.
Allerdings ohne letztere. Sie sollten so tun als ob.

Eine Art soziale Kommunikationspantomime, wenn man so will. Fremdgesteuert sitzen oder stehen sie in Ihrem Umfeld und halten etwas Unsichtbares in ihrer Hand. Fast wie in Trance.
Die entstandenen Fotos wirken im ersten Moment irgendwie witzig.
Im zweiten Moment aber ausserordentlich befremdlich und grotesk. In schockierender Art zeigen sie vereinsamte Technologie – Opfer.

Da hält uns jemand den ganz klassischen Spiegel vor. Und genau das ist das herausragende.

Manchmal wirken die Bilder wie Szenen eines düsteren Science – Fiction Films. Obwohl es auf den Bildern taghell ist. Denn jegliche Kommunikation zwischen den Personen ist buchstäblich gelöscht.
Removed heißt das treffend im Englischen. Und gab der Fotoserie den Titel.

Am markantesten hat sich übrigens die Geste des Smartphone – Anlegens zum Fotografieren durchgesetzt.
Wir alle sollten diese Bilder als eine Art Warnung verstehen.
Die Fotostrecke und ein Film über die Produktion findet man auf der Website des Kollegen: www.ericpickersgill.com. Ein Blick dahin ist unerlässlich.

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