Von Claus Bach, 11. September 2013, 11:05 Uhr

Nach gefühlt langer Zeit spaltet wieder einmal ein Werbeclip die Gemüter:
In einem historisch anmutendem Dorf fährt eine nagelneue Limousine der Marke Mercedes Benz die Hauptstraße entlang. Die Bewohner beäugen die fremde Erscheinung misstrauisch. Vor einer Gruppe spielender Kinder stoppt das Gefährt plötzlich. Dank allerneuester Sicherheitstechnik wie von Geisterhand. Ein paar Meter weiter rennt ein kleiner Junge mit Luftballon auf diese Straße. Der allerdings wird von der Limousine treffsicher umgefahren. Entsetzt rennt die Mutter zum überfahrenen Kind und kann gerade noch „Adolf!“ schreien. Schwarzblende.

Am Ende des 100 Sekunden langen Werbeclips wird der Name der Ortschaft eingeblendet: „Kronland-Oberösterreich: Ortschaft Braunau am Inn“. Und danach ist die Werbebotschaft zu lesen: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“

Mit anderen Worten: Hier wurde schon mal der kleine Adolf Hitler mittels vorausblickendem Hightech – PKW  entsorgt und der Weltgeschichte ein anderer Verlauf gegeben.

Die Story des Clips entstammt einer studentischen Arbeit der Filmakademie Baden-Würtemberg.
Erwartungsgemäß hat sich die Firma mit dem Stern sofort von dem Film distanziert und die Nichtautorisierung angezeigt:
„Wir sind der Überzeugung, dass es unangemessen ist, den Tod eines Menschen beziehungsweise eines Kindes sowie Inhalte mit einem Bezug zum Nationalsozialismus in einem Werbespot zu verwenden, auch wenn es sich hier nur um einen „fiktiven“ Werbespot handelt.“ lautet die Erklärung des Konzerns.

Dumm nur, dass der Clip zu den Nominierungen des diesjährigen Nachwuchs – Werbefilmpreises „First Step“ gehört. Der wiederum wird von besagter Autoschmiede gesponsert. Aua. Das ist peinlich.

Freilich ist es ausgesprochen zynisch, einen noch kleinen Jungen mit unheilvoller Zukunft vorsorglich per PKW umzufahren. Auch, wenn es eine Fiktion ist. Seit Wochen spaltet der Werbeclip auch die Netzgemeinde. Die Kommentar – Skala reicht von „Geniales Stück“ bis hin zu „Nicht witzig“. So schnell kann sich Moral in Ihr Gegenteil verwandeln.

Am Ende ist das vielleicht nicht besser als der noch unschuldige Handlungsträger im Film.
Doch merke: Werbung war schon immer moralfrei. Fast.

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