Smile!

„Wenn Sie einen Ter­min vere­in­baren, lächeln Sie schon beim Wählen der Tele­fon­num­mer.“ Das war bere­its im Jahre 1993 in einem Berater­hand­buch für Verkaufs­ber­ater in Sachen Holztrep­pen zu lesen. Im Speziellen wur­den dann einige psy­chol­o­gis­che Hin­weise für besagte Berater während des Verkauf­s­ge­spräches gegeben: Das nicht zu auf­dringliche Lächeln während des Gesprächs war freilich Hauptbe­standteil der dama­li­gen Dra­maturgie.
Reich­lich 20 Jahre später hat die Angele­gen­heit freilich eine zün­ftige medi­ale Weit­er­en­twick­lung erlebt.
Selb­stver­ständlich wird benutzerdefiniert weit­ergelächelt. Aber nicht mehr nur zu Akquisezwecken. Heute dient sowas auch der zielo­ri­en­tierten Selb­stop­ti­mierung und der­gle­ichen.
Genau das hat sich die Kün­st­lerin Anna Witt als Konzept zu Eigen gemacht und die Angele­gen­heit aus­giebig zele­bri­ert.
In ihrer Zweikanal – Videoin­stal­la­tion „Sixty min­utes smil­ing“ kann man nun eine Gruppe förm­lich – ser­iös gek­lei­de­ter männlicher und weib­licher Per­so­nen sehen, welche für 60 Minuten per­ma­nent in die Kam­era lächeln. Ergänzt wird die Sache durch einen zweiten Bild­schirm, welcher die Detailauf­nah­men der lächel­nden Akteure zeigt.
Freilich ist das befremdlich und irgend­wie unan­genehm. Denn man sieht nichts anderes als die schiere Kom­merzi­aisierung von Emo­tio­nen. Einzig und allein der zweck­ge­bun­de­nen Selb­st­darstel­lung geschuldet.
Im Kampf um möglichst her­aus­ra­gende Aufmerk­samkeit. Immer mit dem Ziel, ein Alle­in­stel­lungsmerk­mal zu leben.
Alle Achtung also. So lautet denn auch der Titel der aktuellen Ausstel­lung in der ACC – Galerie, welche sich diesem zeit­genös­sis­chen Phänomen aus­giebig nähert.
Anna Witt ist eine von acht ausstel­len­den Kün­st­lerin­nen und Kün­stlern.
A pro­pos Kün­stler:
Ger­ade jene Beruf­s­gruppe ist eine der Profis unter den Selb­st­darstellern.
In diesem Bere­ich geht bekan­ntlich nichts ohne die klas­sis­che Per­for­mance als klas­sis­che Ram­p­en­sau.
Auch das wird selb­stre­flek­tierend in der Ausstel­lung vorge­führt. Und nicht immer zum Besten der Akteure. In Form enthemmter Selb­stironie – oder Vor­führe, wenn man so will:
Sei es eine lange Wand mit auss­chließlich Logos zeit­genös­sis­cher Kun­stverkauf­smessen – oder Bien­alen. Als prima Foto­hin­ter­grund für Kunst – Cat­walks. Oder auch das Video der Kaf­fepause ver­schiedener Dou­bles zeit­genös­sis­cher Medi­en­promis im Abteil einer U -Bahn.
Die außeror­dentlich kluge und durchtriebene Show ist noch bis 19. Jan­uar 2017 in der ACC – Galerie zu sehen.