Von Claus Bach, 2. September 2015, 13:48 Uhr

„Manchmal bin ich richtig erschrocken“ heißt das zu Deutsch. In großen schwarzen Buchstaben ist dieser Text auf der goldbronzenen Wand im Tunnelgang der ACC Galerie zu lesen.
Für die aktuelle Ausstellung „Fluchtpunkte“ wurde ein Teil dieses Gangs in den Nationalfarben schwarzrotgold eingefärbt. Als eines von vielen Statements zur Situation der Kriegsflüchtlinge im Deutschland des Jahres 2015.

Nach einem Aufruf der ACC-Galerie wurde die Kuratierung der Ausstellung diesmal vier Laien überlassen. Drei Bürgerinnen und ein Bürger Weimars entschieden sich nun für Thema, Künstlerauswahl und Gestaltung.

Herausgekommen ist ein Parcours, der die bedrückende Situation der Flüchtlinge beschreibt. Von den Anfängen bis hin zur Gegenwart.
So beschäftigt sich ein einjähriges Langzeitprojekt mit den Biografien einzelner Menschen im Asylantenheim Weimars.
Ein anderes Objekt stellt symbolisch ein Boot dar, welches aus einem Stück des Zaunes der ehemaligen JVA Weimars besteht.

Am drastischsten aber bringt ein Raum die momentane Situation auf den Punkt. „Endlagerromantik“ steht in Graffiti – Manier an den mit silberner Lebensrettungsfolie ausgekleideten Wänden. Darunter die Frage: „Wo sind all die Roma hin?“ Und das Statement „Freiheit ist ein eine Hure“ In der Mitte befindet sich ein menschlicher liegender Dummy, der mit allerlei Pelzdecken bedeckt ist. Als Kopf ist eine blonde Perücke auszumachen, die mit Fernrohr und schwarz rot goldenem Cowboyhut bedeckt ist. Darauf rotiert ein Blaulicht. Glitzerbilder in expressionistischer Manier vermitteln an den Wänden verschiedene menschliche Gefühlszustände.

Aber auch im öffentlichen Stadtraum wird die Ausstellung sichtbar. Riesige schwarzweiss-Porträts von Flüchtlingen zieren einige Plakatwände und Schaufenster der Stadt. Daneben ein QR – Code, über den man sich im Netz mit der Vita dieser Personen beschäftigen kann.

Vernehmlichstes Ziel der Schau ist es, nicht nur für Verständnis, sondern auch für Mitgefühl zu werben.
Ganz im Sinne eines Spruchs des Dichterfürsten, der sich ebenfalls im Tunnelgang der Galerie befindet:

„Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter.“ Wohl war.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15. November zu sehen.

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