Von Claus Bach, 12. August 2009, 11:26 Uhr

…breitet seine Sterne nicht nur über die Schützengräben, sondern auch über den Wahrheitsgehalt einiger Fotografien des Bürgerkrieges aus dem Jahre 1936 aus.

Denn am Ort der damaligen Geschehnisse spielt sich jetzt ein visueller Showdown ganz eigener Art ab:

Ausgerechnet der Säulenheilige der Kriegsfotografie Namens Robert Capa hat gemogelt und zwanglos ein bisschen Krieg inszeniert.

Und das ganz zünftig: In Ermangelung echter Ereignisse stellten er und seine damalige Freundin, die Fotografin Gerda Taro, vor Ort das Geschehen nach. Unter anderem auch seine berühmteste Aufnahme, die eines unmittelbar von einer feindlichen Kugel getroffenen Partisanen während dieses Bürgerkrieges. Dieses spektakuläre Kriegsfoto war damals Start von Capas Fotografenkarriere und gilt bis heute als die Kriegsbild -Ikone schlechthin. Kein Geschichts – geschweige denn Fotobuch, dass ohne sie auskommt. Kein Fotohistoriker, der es unerwähnt lassen kann.

Nun hat ein spanischer Historiker Ort und Zeitraum dieser Aufnahme recherchiert und ist auf den Beschiss gekommen. Und das auch noch unter Zuhilfenahme von des Meisters Aufnahmen selbst: Erst Februar 2008 wurden Capas Negative aus dem spanischen Bürgerkrieg in Mexiko entdeckt und kürzlich ausgewertet. Und die bestätigten anhand  fotografierter simpler Inszenierungsfehler den Betrug. Zudem gab es in besagtem Gebiet zum Zeitpunkt von Capas Aufnahmen gar keine Kampfhandlungen.

Autsch, das ist hart. So was wäre heute der Anfang vom Ende einer Karriere als Reportage -geschweige denn Kriegsfotograf. Ein klassischer Verstoß gegen die Berufsethik. Da müssen wohl viele Geschichtsbücher korrgiert werden.

Und nicht nur das: Auch die von Capa mitbegründete Welt bekannte Fotoagentur  „Magnum“ sollte sich in Nüchternheit üben: Vor allem, was deren Leitsatz der unmanipulierten Darstellung des Augenblicks betrifft. Denn gerade diese Agentur gebiert sich bis heute als wahrheits  verwaltender Platzhirsch im Bildjournalistengewerbe und ahndet Manipulationen mit sofortigem Rausschmiss ihrer Fotografen.

Und auch das ohnehin zum Dogma gewordene Credo von der objektiven Wiedergabe der Realität hat Schlagseite bekommen. Aber warum die Aufregung? So was ist doch heutzutage fast Alltag.

Die fatale Antwort lieferte vor einigen Jahren der Journalist Herbert Riehl-Heyse: „Wenn nur noch alles manipuliert und erfunden ist, wenn uns nichts mehr geglaubt wird, steigen die Leute endgültig auf Horrorfilme um – da wissen sie, dass die Zombies mit dem Kopf unter dem Arm echte Lügen sind.“

Robert Capa ist beileibe kein Einzelfall. Aber posthum nun der berühmteste und peinlichste.

Besagtes Bild und sein Lebenswerk ist gegenwärtig in der Ausstellung „This is war! Robert Capa at work“ im Katalanischen Nationalmuseum Barcelona zu sehen.Die Arbeit des spanischen Historikers José Manuel Susperregui ist in dem Buch „Schatten der Fotografie“ nachzulesen.

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