Von Claus Bach, 15. Oktober 2008, 11:26 Uhr

Nun ist der Verkauf des Hauses der Frau von Stein an den königlichen Kunstzirkel in Person des spanischen Sammlers Joan Xavier Bofill perfekt. Und der Errichtung einer Dauerausstellung mit Exponaten des surrealistischen Künstlers Salvatore Dali unter Zuhilfenahme des Europa-Museums Schengen im historischen Klassikergebäude steht nichts mehr im Wege. Ergeben sich nun auch neue Möglichkeiten zur erweiterten touristischen Aussenwirkung Weimars:

Willkommen in der Klassiker- und Surrealistenstadt. Endlich weg vom dröge historisierendem Goethe -Schiller – Dampfhammer -Image zu etwas ganz anderem. Eine Wohltat, nun auch die vielen Dali- Jünger vor Ort begrüßen zu dürfen. Irgendwie auch logisch, den Toten Dichterkult des 20. Jahrhunderts in den Toten -Künstlerdichterkult des 21. Jahrhunderts zu transformieren.

Im übrigen hat das schon mal in Thüringen stattgefunden, wenn auch nur temporär: Im Jahre 1992 zeigte der Verein „Apolda Avantgarde“ die erste Savatore Dali -Ausstellung im neuen Bundesland – mit großem Publikumserfolg, die Ausstellung wurde verlängert.

Zu sehen waren meist kleinere grafische und plastische Arbeiten, wovon sich letztere später als industriell gefertigte Kopien herausstellten. Doch das soll die Vorfreude auf das Oevre des prominenten Surrealisten in Weimar keinesfalls trüben, im Gegenteil:

Viele Kopien verderben schon lange nicht mehr den Brei. Im Gegenteil. Sie sind Teil des Kunstprozesses schlechthin – in einer Welt, der ohnehin die Originale abhanden gekommen oder schlicht unbezahlbar geworden sind.

So gesehen ist die Entscheidung der Stadt auch eine kulturpolitische Performance schlechthin, die auf eine bizarre Mixtur hinausläuft: Denn der Mietvertrag des Goethe-Institutes im Haus der Frau vom Stein läuft bekanntlich noch mehrere Jahre. So wären dann kulturelle Aufklärungsveranstaltungen und Salvatore Dali -Devotionalien unter einem Dach und hätten Ihren Spass.

Coole Sache. Das ist gelebter Surrealismus und typisch für die kleine aber feine Kulturstadt, in der sowieso jeder jeden kennt. Und ein gefundenes Fressen für die medialen Überlaufventile wie FAZ, Süddeutsche und Kulturzeit im TV.

Und es hat doch auch was, Kulturschelte abzukriegen. Das toppt locker die Verbalinjurien der Lokalpresse und ist allemal besser als gar keine überregionale Notiz über die Stadt an der Ilm, deren Namen man wohl zukünftig immer weniger mehr auszusprechen wagt.

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