Von Claus Bach, 3. Dezember 2008, 11:26 Uhr

…tönt es seit 14. November auf der Website der CDU. Freunde heimatlicher Pop-Folklore wissen sicher gleich, wovon die Rede ist: Ministerpräsident Dieter Althaus engagiert sich in Vorbereitung kommender medialer Ereignisse als Background gebender Gesangskünstler.
Unterstützt wird er dabei von der Eichsfelder Band „Princess Jo“ und der Weimarer Gruppe „Rest of best“.
Hut ab! Eine bisweilen lustige aber vor allem mutige Sache ist das ja immer, wenn gnadenlose Dilettanten öffentlichkeitsaktiv werden – sicherheitshalber flankiert von Berufsmusikern.
Schließlich möchte sich unser Landesvater nicht völlig zum Horst machen und das ist auch gut so.

Nun braucht man sich nur noch den Moment vorzustellen, wenn besagtes Lied vor versammelter aufrecht stehender Parteikorona abgespielt wird. Eine feine Sache, vereint sie doch offensichtlich viele Sehnsüchte, wie der Text verrät. Hier die erste Strophe:

„In uns’rer Heimat atmen Herz und Seele,
in diesem starken Land voller Tradition.
Ich bin sehr stolz, dass ich im Herzen Deutschlands lebe,
denn unverwechselbar und schön ist die Region!
Wer unser Thüringen besucht, ist gleich verzaubert
und bestaunt die vielen Schätze hier im Land.
An jedem Ort spürst du, das Glück ist hier zuhause
und zieht dich Tag für Tag mehr in seinen Bann“

Voilà! Auf diesen enthemmten Optimismus muss man erstmal kommen. Denn der durchzieht alle Zeilen des Heimatliedes und steht in kongenialer Tradition zu Kult -Sangesbarden wie Herbert Roth zu DDR-Zeiten.
Tränen des Glücks rinnen einem über die Augen und alle Nicht –Thüringer müssten eigentlich grün vor Neid werden angesichts dieses paradiesisch gepriesenen Bundeslandes.

Doch es bleibt nicht nur bei Feststellungen. Althaus fordert auch, wie die nachfolgenden Zeilen zeigen:

„Diese Zeit steckt voller Chancen,
sie zu nutzen, liegt an dir,
denn die Zukunft, sie beginnt im Jetzt und Hier…“

Da hat er Recht, absolut nichts dagegen zu sagen. Schließlich muss man was für sein Glück tun.
Kurzum – das „Thüringen-Lied“ ist kultverdächtig und aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als verworrene „Denkfabrik-Kampagnen“ wie die eines eingewickelten Fisches oder der telefonierenden Bratwurst.
Und so hat nun auch die Partei – pardon, die CDU – ihre lokale Hymne. Was der SPD mit dem Arbeiterlied „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“ recht ist, kann der Konkurrenz nur billig sein. Bleibt nur noch die Frage nach der Öffentlichkeitswirkung.

Ich bin ja für mindestens eine Coverversion und den kompatiblen Remix.

Hier aber zunächst ein kurzer Einspieler des Originals

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