Von Claus Bach, 21. April 2010, 11:26 Uhr

Umgangssprachlich hat in den letzten Wochen eine Art schleichender Paradigmenwechsel für die bildherstellende Zunft stattgefunden. Grund ist freilich die Endloskette bekannt gewordener züchtigender Übergriffe und Mißbrauchsfälle durch Priester und Lehrer in katholischen und privaten Schulen.

Bildjournalistisch arbeitende Fotografen sollten auf der Hut sein. Denn unter Umständen könnten einige ihrer Aufnahmen von den Betrachtern nun ganz anders gelesen werden.

Nachfolgend einige Beispiele: Eine Gruppe  spielender Kinder auf dem Schulhof einer katholischen Bildungseinrichtung vermittelt jetzt nicht mehr nur die bekannte feuilletonistische Wohlfühl – Atmosphäre. Fotografien wartender Jugendlicher am Eingang einer Privatschule lassen nun ebenfalls an andere Zusammenhänge denken. Und auch die vielen Erinnerungsbilder, welche katholische Bischöfe und Priester im Kreise ihrer Ministranten zeigen, erscheinen zwangsläufig in ausgesprochen bedrückendem Licht. Ganz  zu schweigen von Fotos, welche bäuchlings auf dem Boden liegende betende Priester zeigen. Selbst das Bild eines leeren katholischen Klassenzimmers hat seine Unschuld verloren. Und zukünftig wird man wohl auch simple Aufnahmen dieser Gebäude mit gemischten Gefühlen betrachten. Doch was sagt uns das?

Binnen kürzester Zeit hat der katholische Klerus sein eigenes visuelles Vermächtnis demontiert. Seine mediale Außenwirkung ist auf unbestimmte Zeit mehr als nur beschädigt. Besonders viele Glaubensbrüder dürften sich auf unbestimmte Zeit verprellt fühlen. Da helfen auch keine bischöflich – retorischen Gegenangriffe.

Aber vielleicht nützt die überstrapazierte Devise: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu!“

Bis dahin wird es noch Zeit brauchen. Erstmal gilt, was Jahrhunderte immer galt. Aussitzen und abwarten. Asche auf unser Haupt. Augen zu und durch. Doch die Zeit ist unberechenbarer geworden. Diesmal kann die Angelegenheit buchstäblich ins Auge gehen. Fast wie manchmal beim Fotografieren.

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