Im Kreis der Ministranten

Umgangssprach­lich hat in den let­zten Wochen eine Art schle­ichen­der Par­a­dig­men­wech­sel für die bild­her­stel­lende Zunft stattge­fun­den. Grund ist freilich die End­los­kette bekannt gewor­dener züchti­gen­der Über­griffe und Mißbrauchs­fälle durch Priester und Lehrer in katholis­chen und pri­vaten Schulen.

Bild­jour­nal­is­tisch arbei­t­ende Fotografen soll­ten auf der Hut sein. Denn unter Umstän­den kön­nten einige ihrer Auf­nah­men von den Betra­chtern nun ganz anders gele­sen wer­den.

Nach­fol­gend einige Beispiele: Eine Gruppe  spie­len­der Kinder auf dem Schul­hof einer katholis­chen Bil­dung­sein­rich­tung ver­mit­telt jetzt nicht mehr nur die bekan­nte feuil­leton­is­tis­che Wohlfühl – Atmo­sphäre. Fotografien wartender Jugendlicher am Ein­gang einer Pri­vatschule lassen nun eben­falls an andere Zusam­men­hänge denken. Und auch die vie­len Erin­nerungs­bilder, welche katholis­che Bis­chöfe und Priester im Kreise ihrer Min­is­tran­ten zeigen, erscheinen zwangsläu­fig in aus­ge­sprochen bedrück­en­dem Licht. Ganz  zu schweigen von Fotos, welche bäuch­lings auf dem Boden liegende betende Priester zeigen. Selbst das Bild eines leeren katholis­chen Klassen­z­im­mers hat seine Unschuld ver­loren. Und zukün­ftig wird man wohl auch sim­ple Auf­nah­men dieser Gebäude mit gemis­chten Gefühlen betra­chten. Doch was sagt uns das?

Bin­nen kürzester Zeit hat der katholis­che Klerus sein eigenes visuelles Ver­mächt­nis demon­tiert. Seine medi­ale Außen­wirkung ist auf unbes­timmte Zeit mehr als nur beschädigt. Beson­ders viele Glaubens­brüder dürften sich auf unbes­timmte Zeit ver­prellt fühlen. Da helfen auch keine bis­chöflich – retorischen Gege­nan­griffe.

Aber vielle­icht nützt die über­stra­pazierte Devise: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu!“

Bis dahin wird es noch Zeit brauchen. Erst­mal gilt, was Jahrhun­derte immer galt. Aus­sitzen und abwarten. Asche auf unser Haupt. Augen zu und durch. Doch die Zeit ist unberechen­barer gewor­den. Dies­mal kann die Angele­gen­heit buch­stäblich ins Auge gehen. Fast wie manch­mal beim Fotografieren.