Von Claus Bach, 6. Juni 2018, 15:48 Uhr

Die Karl- Marx – Straße in Trier ist schmal und unscheinbar.
Einige kleine Geschäfte, zwei Kneipen, eine Galerie und ein Autohaus säumen ihren Rand. Und gleich mehre Sexshops inclusive Videokabinen. „Zehn Programme!“ verspricht eine Leuchtschrift. Das macht den Kern der Straße aus.

So begann der Dokumentarfilm des westdeutschen Filmemachers Pavel Schnabel über die 1988 beschlossene Städtepartnerschaft zwischen Trier und Weimar. Den Auftrag dafür hatte Schnabel von der ARD erhalten.
Ein Städte -Doppelporträt sollte es werden.

Mitten in die Dreharbeiten platzte dann die Wende. Erstmals konnte der Dokumentarfilmer ohne Stasi – Aufpasser in Weimar filmen. Ungestört arbeiten und vor allem deren Bewohner befragen. Stück für Stück entwickelten sich so ungemein aussagekräftige Szenen. Vor allem dann, wenn dieselben Menschen vor und nach 1990 sprachen. So etwa der Direktor der Weimarer „Erweiterten Oberschule Karl Marx“, der gleich nach der Wende Versicherungsvertreter wurde.
Oder der Blick auf den Weimarer Karl-Marx-Platz, welcher im Jahre 1990 zum Gebrauchtwagen-Markt mutierte. Wie überall in Ostdeutschland. Freilich kommen auch Aktivisten der Wendezeit zu Wort, alte und junge.

Doch auch die Kommentare der Trierer Bürger sprechen für sich und geben den Stimmungswandel jener Jahre wieder.
„Jetzt müsse mer auch noch für die schaffe, die han doch nix“, spricht einer ins Mikrofon.
Dafür lieferten die Trierer Verkehrsbetriebe gebrauchte, aber funktionstüchtige Omnibusse an die Weimarer Partnerstadt. Und so kam es, dass im Dezember 1990 24 rote Omnibusse im Schneetreiben auf dem Weimarer Theaterplatz standen.

“Brüder und Schwestern“ heißt Pavel Schnabels abendfüllender Dokumentarfilm. Wie so vieles ist er fast in Vergessenheit geraten. Vielleicht auch deshalb, weil jene Städtepartnerschaft ein sperriges Relikt aus DDR-Zeiten ist und so gar nicht ins wiedervereinigte Deutschland passen will. Auch nach dreißig Jahren nicht.
Nachsatz: Die Initiative für jene Partnerschaft ging damals vom Oberbürgermeister der Stadt Trier, Helmut Schroer, aus.
Über jene bewegte Zeit hat er mittlerweile auch eine Publikation vorgelegt.
„Trier – Weimar: Eine deutsche Städtepartnerschaft“ nennt sie sich und ist 2012 im Paulinus – Verlag erschienen.

1990, Weimar, Theaterplatz