Von Claus Bach, 4. Oktober 2017, 11:44 Uhr

Die sogenannten „Fünf Fragen für Bürger aus den alten Bundesländern“ waren ein durchtriebener Allgemeinbildungstest in einschlägigen Milieus im Ostdeutschland der 1990iger Jahre. Als trotzige Reaktion auf die Besserwisser – Mentalität der damals neuen Brüder und Schwestern. Einseitig und mutwillig hatten diese Fragen ausschließlich sowjetische Weltraumfahrt – Erfolge der 1960iger Jahre zum Inhalt.
Da konnte der ordinäre Westler freilich nicht lange mithalten und war spätestens nach Frage drei aus dem Rennen – zum albernen Triumph des Ostlers. Heute ist das Ganze zu Recht aus der Mode gekommen.

Doch es lohnt, diese Fragen aus der Versenkung zu holen. Zum einen, weil sich besagtes Allgemeinbildungsdefizit flächendeckend in alle Himmelsrichtigen ausgebreitet hat. Zum anderen, weil sich heute ein besonderes Jubiläum zum sechzigsten Male jährt. Am 04. Oktober 1957 schoss die UDSSR den ersten unbemannten Flugkörper ins Weltall.
Dieser Satellit namens „Sputnik“ umrundete damals in 96 Minuten die Erde. Jenes Ereignis war der buchstäbliche Startschuss des Rennens im Weltall zwischen UDSSR und den USA.
Drei Monate später legte die Sowjetunion nach: Im Rahmen der Mission „Sputnik 2“ wurde die Hündin „Laika“ in einer Kapsel in die Erdumlaufbahn befördert. Diese Mission war die Generalprobe für den ersten bemannten Weltraumflug des russischen Kosmonauten Juri Gagarin. Am 12. April 1961 umkreiste er als erster Mensch die Erde.
So konnte die UDSSR das Rennen um die Vorherrschaft im Weltall für sich entscheiden.
Zur kompletten Überraschung der USA.

Juri Gagarin war übrigens Antwort auf Frage drei des eingangs erwähnten Tests, die nach dem ersten Menschen im Weltall.

Jener 12. April wurde kurz darauf zum „Tag des Kosmonauten“ im Ostblock erklärt. Aber auch ein Foto aus dieser Zeit geriet damals zur visuellen Ost – Ikone: Es zeigt die winkenden Weltraumpiloten Juri Gagarin und Valentina Tereschkowa in einer offenen Limousine inmitten jubelnder DDR – Bürger auf der Karl Marx – Alle in Berlin.

Valentina Tereschkowa war die erste Frau im Weltall – was Antwort auf Frage vier des Tests gewesen wäre. Die fünfte Frage war die nach dem ersten unbemannten Mondfahrzeug. Das hieß „Lunochod“ und stammte ebenfalls aus UDSSR – Produktion. Im Frühjahr 1969 fuhr es ferngesteuert auf dem Erdtrabanten.

Rückblickend gesehen waren die russischen Weltraumerfolge der 1960iger Jahre der propagandistische Selbstläufer und zugleich Höhepunkt internationalen Ansehens des damaligen Ostblocks unter russischer Dominanz. Begründet durch technologische und physische menschliche Höchstleistungen. Er sollte nie wiederkehren.
Ein Modell des ersten „Sputniks“ befindet sich heute im „Kosmonautenmuseum“ in Moskau.

Am 07. April 2011erklärte auch die Generalversammlung der UN  den 12. April zum Internationalen „Tag der bemannten Raumfahrt“.
Späte Ironie der Geschichte.

 

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