Unendliche Weiten

Die soge­nan­nten „Fünf Fra­gen für Bürger aus den alten Bun­deslän­dern“ waren ein durchtriebener All­ge­mein­bil­dung­stest in ein­schlägi­gen Milieus im Ost­deutsch­land der 1990iger Jahre. Als trotzige Reak­tion auf die Besser­wisser – Men­tal­ität der damals neuen Brüder und Schwest­ern. Ein­seitig und mutwillig hat­ten diese Fra­gen auss­chließlich sow­jetis­che Wel­traum­fahrt – Erfolge der 1960iger Jahre zum Inhalt.
Da kon­nte der ordinäre West­ler freilich nicht lange mithal­ten und war spätestens nach Frage drei aus dem Ren­nen – zum alber­nen Tri­umph des Ostlers. Heute ist das Ganze zu Recht aus der Mode gekom­men.

Doch es lohnt, diese Fra­gen aus der Versenkung zu holen. Zum einen, weil sich besagtes All­ge­mein­bil­dungs­de­fizit flächen­deck­end in alle Him­mel­srichti­gen aus­ge­bre­itet hat. Zum anderen, weil sich heute ein beson­deres Jubiläum zum sechzig­sten Male jährt. Am 04. Okto­ber 1957 schoss die UDSSR den ersten unbe­man­nten Flugkör­per ins Weltall.
Dieser Satel­lit namens „Sput­nik“ umrun­dete damals in 96 Minuten die Erde. Jenes Ereig­nis war der buch­stäbliche Startschuss des Ren­nens im Weltall zwis­chen UDSSR und den USA.
Drei Monate später legte die Sow­je­tu­nion nach: Im Rah­men der Mis­sion „Sput­nik 2“ wurde die Hündin „Laika“ in einer Kapsel in die Erdum­lauf­bahn befördert. Diese Mis­sion war die Gen­er­al­probe für den ersten beman­nten Wel­traum­flug des rus­sis­chen Kos­mo­nauten Juri Gagarin. Am 12. April 1961 umkreiste er als erster Men­sch die Erde.
So kon­nte die UDSSR das Ren­nen um die Vorherrschaft im Weltall für sich entschei­den.
Zur kom­plet­ten Über­raschung der USA.

Juri Gagarin war übri­gens Antwort auf Frage drei des ein­gangs erwäh­n­ten Tests, die nach dem ersten Men­schen im Weltall.

Jener 12. April wurde kurz darauf zum „Tag des Kos­mo­nauten“ im Ost­block erk­lärt. Aber auch ein Foto aus dieser Zeit geriet damals zur visuellen Ost – Ikone: Es zeigt die wink­enden Wel­traumpi­loten Juri Gagarin und Valentina Tereschkowa in einer offe­nen Lim­ou­sine inmit­ten jubel­nder DDR – Bürger auf der Karl Marx – Alle in Berlin.

Valentina Tereschkowa war die erste Frau im Weltall – was Antwort auf Frage vier des Tests gewe­sen wäre. Die fün­fte Frage war die nach dem ersten unbe­man­nten Mond­fahrzeug. Das hieß „Luno­chod“ und stammte eben­falls aus UDSSR – Pro­duk­tion. Im Früh­jahr 1969 fuhr es fer­nges­teuert auf dem Erd­tra­ban­ten.

Rück­blick­end gese­hen waren die rus­sis­chen Wel­traumer­folge der 1960iger Jahre der pro­pa­gan­dis­tis­che Selb­stläufer und zugle­ich Höhep­unkt inter­na­tionalen Anse­hens des dama­li­gen Ost­blocks unter rus­sis­cher Dom­i­nanz. Begrün­det durch tech­nol­o­gis­che und physis­che men­schliche Höch­stleis­tun­gen. Er sollte nie wiederkehren.
Ein Mod­ell des ersten „Sput­niks“ befindet sich heute im „Kos­mo­naut­en­mu­seum“ in Moskau.

Am 07. April 2011erklärte auch die Gen­er­alver­samm­lung der UN  den 12. April zum Inter­na­tionalen „Tag der beman­nten Raum­fahrt“.
Späte Ironie der Geschichte.