Von Claus Bach, 21. Mai 2008, 11:26 Uhr

Steht einer am ökologischen Lebensmittelstand des Weimarer Blumenmarkts und guckt sich die vor frischem Grün nur so strotzende Sichtreklame an. Selbstverständlich auch die biologisch korrekten Lebensmittel aus betont lokalem Anbau. Dann wird er höflichst gebeten, doch bitte auch die Bürgerinitiative gegen den Anbau von Genmais „Vor den Toren Weimars“ – in Buttelstedt – zu unterschreiben. Auf die Einwendung, sich der Sache erstmal informativ zu nähern, kann er sich gerade noch aus der Affäre ziehen. Schließlich sind die Zeiten, in denen man jeden Mist unterschrieben hat, vorbei. Und überhaupt kann einem die zeitgenössisch-hippe, ökologisch-korrekte Ernährungswelle ganz schön auf die sprichwörtlichen Eier gehen. Wird man doch nun buchstäblich genötigt, sich jede, aber auch jede detaillierte Angabe zu verwendeten Bestandteilen und Zusatzstoffen auf der Lebensmittelverpackung genauestens durchzulesen. Und die Liste mit den berühmten unschädlichen, verdächtigen, gefährlichen, gesundheitsstörenden und krebserregenden Emulgator-Zusatzstoffen in unseren Lebensmitteln wird sowieso immer länger. Also wird der nächste Essenseinkauf im Grossmarkt nur noch mit aufklärender Ernährungsfachliteratur stattfinden und demzufolge deutlich länger ausfallen. Das ginge zwar im Bioladen wesentlich schneller, ist dafür freilich proportional teurer. Und so wird gesunde Ernährung rasch zum Privileg der Besserverdienenden. Eine fiese Angelegenheit. Was kann ich also tun, damit mir zukünftig nicht ein drittes Auge infolge ökologisch unkorrekter Nahrungsaufnahme aus dem linken Bein wächst? Pech gehabt, da bleibt nur noch der Weg des empirischen Selbststudiums zum Ernährungswissenschaftler. Also her mit der bebilderten Fachliteratur. Und dann eben in den sprichwörtlich sauren Apfel beißen und halt mehr Kohle für vermeintlich ökologisch korrektes Essen ausgeben. Doch Achtung, aufgepasst: Ähnlich der political correctness der neunziger Jahre hinkt die stylische Öko-Hysterie ihrer Zeit fatal hinterher. Denn mit Sicherheit lagern in unseren Körpern schon eine Menge genveränderter Speisereste, deren Existenz wir nicht mal ahnen. Vielleicht hilft da auch eine simple Ampel-Lebensmittelkennzeichnung, wie sie schon in einigen Ländern der EU eingeführt worden ist: Die zeigt die Existenz von genverändertem Material auf der Nahrungsmittelverpackung an und fertig. Ansonsten kann man es dann nur noch mit dem Ausspruch eines Nichtfachmannes halten, der schon immer trotzig verkündete: „Konservierungsstoffe straffen die Körperstränge!“

Und basta. Guten Appetit.

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