Unterschreiben oder nicht unterschreiben?

Steht einer am ökol­o­gis­chen Lebens­mit­tel­stand des Weimarer Blu­men­markts und guckt sich die vor frischem Grün nur so strotzende Sichtreklame an. Selb­stver­ständlich auch die biol­o­gisch kor­rek­ten Lebens­mit­tel aus betont lokalem Anbau. Dann wird er höflichst gebeten, doch bitte auch die Bürg­erini­tia­tive gegen den Anbau von Gen­mais „Vor den Toren Weimars“ – in But­tel­st­edt – zu unter­schreiben. Auf die Ein­wen­dung, sich der Sache erst­mal infor­ma­tiv zu näh­ern, kann er sich ger­ade noch aus der Affäre ziehen. Schließlich sind die Zeiten, in denen man jeden Mist unter­schrieben hat, vor­bei. Und über­haupt kann einem die zeit­genös­sisch-hippe, ökol­o­gisch-kor­rekte Ernährungswelle ganz schön auf die sprich­wörtlichen Eier gehen. Wird man doch nun buch­stäblich genötigt, sich jede, aber auch jede detail­lierte Angabe zu ver­wen­de­ten Bestandteilen und Zusatzstof­fen auf der Lebens­mit­telver­pack­ung genauestens durchzule­sen. Und die Liste mit den berühmten unschädlichen, verdächti­gen, gefährlichen, gesund­heitsstören­den und kreb­ser­re­gen­den Emul­ga­tor-Zusatzstof­fen in unseren Lebens­mit­teln wird sowieso immer länger. Also wird der näch­ste Essen­seinkauf im Gross­markt nur noch mit aufk­lären­der Ernährungs­fach­lit­er­atur stat­tfinden und demzu­folge deut­lich länger aus­fallen. Das ginge zwar im Bio­laden wesentlich schneller, ist dafür freilich pro­por­tional teurer. Und so wird gesunde Ernährung rasch zum Priv­i­leg der Besserver­di­enen­den. Eine fiese Angele­gen­heit. Was kann ich also tun, damit mir zukün­ftig nicht ein drittes Auge infolge ökol­o­gisch unko­r­rek­ter Nahrungsauf­nahme aus dem linken Bein wächst? Pech gehabt, da bleibt nur noch der Weg des empirischen Selb­st­studi­ums zum Ernährungswis­senschaftler. Also her mit der bebilderten Fach­lit­er­atur. Und dann eben in den sprich­wörtlich sauren Apfel beißen und halt mehr Kohle für ver­meintlich ökol­o­gisch kor­rek­tes Essen aus­geben. Doch Achtung, aufgepasst: Ähn­lich der polit­i­cal cor­rect­ness der neun­ziger Jahre hinkt die stylis­che Öko-Hys­terie ihrer Zeit fatal hin­ter­her. Denn mit Sicher­heit lagern in unseren Kör­pern schon eine Menge gen­verän­derter Speis­er­este, deren Exis­tenz wir nicht mal ahnen. Vielle­icht hilft da auch eine sim­ple Ampel-Lebens­mit­telkennze­ich­nung, wie sie schon in eini­gen Län­dern der EU einge­führt wor­den ist: Die zeigt die Exis­tenz von gen­verän­dertem Mate­r­ial auf der Nahrungsmit­telver­pack­ung an und fer­tig. Anson­sten kann man es dann nur noch mit dem Ausspruch eines Nicht­fach­mannes hal­ten, der schon immer trotzig verkün­dete: »Kon­servierungsstoffe straf­fen die Kör­per­stränge!«

Und basta. Guten Appetit.