Von Claus Bach, 29. September 2004, 11:26 Uhr

…doch im Grunde gut gemeint: Ein buntes Ansichtskartenmotiv, welches den Erfurter Dom nebst Severikirche unter sonnig-stahlblauem Himmel im Hochformat zeigt, dürfte eigentlich schon mehr als die berühmte visuelle „Halbe Miete“ sein – kompatibel zu fast allen Anlässen. Das dachten sich offenbar auch die Macher der aktuellen Plakatkampagne der Thüringer Staatskanzlei zum „Tag der Deutschen Einheit“ und versahen besagtes Motiv mit folgendem vermeintlich passenden Text:
„1989-2004.15 Jahre Frieden und Freiheit für Europa“. Und fertig war das Poster. Selbstverständlich versehen mit der stilisierten schwarz-rot-goldnen Fahne. Dass es damit seine Schleuder hat, dürfte allerdings fast allen, denen die letzten 15 Jahre an ihrem geschichtlich-geistigen Auge nochmals vorbeiziehen, auffallen: Oder soll das etwa suggerieren, dass beispielsweise der Balkankrieg im Südosteuropa der neunziger Jahre ganz und gar freiheitlich-friedlich war oder außerhalb Europas geführt wurde? Und offensichtlich muß der vor 1989  sogenannte „Kalte Krieg“ doch ein heisser gewesen sein. Wobei diese Formulierung eine bestimmte Epoche der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts bezeichnet, um genauer zu sein. Stimmig ist die Plakataktion dann lediglich in geografischer Hinsicht auf das gedruckte Motiv: Erfurt liegt tatsächlich unbestritten in Europa, da gibts nichts schön zu reden. Der kleinste territoriale gemeinsame Nenner.
Fazit: Nach der ohnehin verrätselten Imagekampagne „Thüringen: Willkommen in der Denkfabrik“ erleben wir eine weitere konzeptionelle Stilblüte des PR-Teams der Thüringer Staatskanzlei.
Zu sehen in allen Schaukästen der belebtesten Bahnhöfe des Bundeslandes Thüringen. Bis jetzt noch.

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