Von Claus Bach, 1. März 2017, 12:31 Uhr

Betritt man in diesen Tagen die Räume der hiesigen ACC – Galerie,
dürfte das nicht ganz einfach sein.
Denn der Boden einiger Gänge und Räume wurde flächendeckend mit kleinen bunten Kunststoffbällen ausgelegt. Die messen im Durchmesser 4cm und sind verhältnismäßig elastisch. So ist denn der Besucher gezwungen, sich seinen Weg zwischen den kleinen grünen, gelben, blauen und roten Objekten zu bahnen.
Ein Balanceakt, der vom Künstler mutwillig herbei geführt wurde.
Klar ist das irgendwie gemein. Aber man stakst man tapfer durch das lustig anzusehende Meer und betrachtet einige Simulationen, die sich ebenfalls mit besagten Bällen auseinandersetzen. Dabei fühlt man sich ein bisschen ins Smoreland – Bällebad eines bekannten schwedischen Möbelkonzerns versetzt.
Ausgedacht hat sich das der technikaffine belgische Künstler Lodewijk Heylen. Doch nur lustig und sinnfrei ist seine Sache natürlich nicht. Sie ist vielmehr Resultat eines Kooperationsprojekts mit der hiesigen Bauhaus – Universität. Das nennt sich kryptisch „Meandering Through Space – Seminar“.
Der Ausstellungstext erklärt das wie folgt:
„Über den Zeitraum eines Semesters untersuchte der Kurs die Beziehung zwischen computerisierter und existentieller Wahrnehmung von Räumlichkeit und Bewegung. Ein System polychromer Bälle bewegt sich wie Atome, beeinflusst durch die Schritte der Galeriebesucher.“
Durch viele Schritte löst sich die ursprüngliche Farbordnung besagter Bälle in einem visuellen Chaos auf. Dahin ist die Ordnung.
Und weiter: „Die Bälle füllen den Boden der Galerie, Kollisionen sind unvermeidbar und Galeriebesucher werden schließlich zu Komplizen des Systems, in dem sie sich bewegen. Zusätzlich zu diesen unfreiwilligen Interaktionen haben die Besucher den Auftrag, einfachen Regeln zur Wiederherstellung der Ordnung zu folgen, die gleichzeitig zu mehr Chaos durch die Bewegung durch die Masse führen… Die Simulationen demonstrieren sowohl Korrelationen
als auch Absurditäten im Bereich zwischen analoger und virtueller Welt und stellen somit eine abstrakte Parallele zur Bälle – Installation dar.“

So wird man wird Teil eines ziemlich durchtriebenen Spiels, das sich zwischen Albernheit, Geschicklichkeit und Simulation bewegt. Eine ganz wunderbare Liason zwischen Kunst und Technik.

Und genau das ist außerordentlich spannend.
Wenn, ja wenn man sich denn darauf einlässt.
Lodewijk Heylens Projekt ist Teil der Ausstellung „True Lies. Die echte Lust am Falschen“.
Sie ist bis zum 07. Mai in der ACC Galerie Weimar zu sehen.

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