Von Claus Bach, 16. Februar 2011, 11:26 Uhr

Showdown im Neuen Museum Weimar: Nach üppigen fünf Eröffnungsreden mit gefühlten zwei Stunden war es letzte Woche soweit:
Unter dem Titel „STIP.VISITE“ wurden die Arbeiten der vier 2010-er Kunststipendiaten des Landes Thüringen und der SV Sparkassen Versicherung präsentiert. Ausgesucht von einer selbstverständlich kompetenten Fachjury. Deren personelle Besetzung zwar niemand kennt, dafür aber alle zwei Jahre per Rotationsprinzip wechselt. Und das ist auch gut so.

Denn was da ausgewählt wurde, war erschreckend und verstörend langweilig. Schlichte Kunsterzieher-Mentaliät.

Im Einzelnen wie folgt:
Offensichtlich gibt es schon eine Art Stipendiaten – Bonus, wenn man verkohltes bedrucktes Papier zwanglos ablichtet und dann in der Stadt der angebrannten Herzogin Anna-Amalia Bibliothek zünftig fotoästhetisch aufarbeitet. Das beeindruckt. Aber natürlich, fotografierte verbrannte Tageszeitungen sind ja ein Verweis auf die Kurzlebigkeit unserer inflationär – zeitgenössischen Medienlandschaft und so weiter. Ähnliche Projekte wiederholen sich seit Jahren außerordentlich penetrant. Sowas auszuwählen ist nicht nur peinlich, sondern schlicht unbedarft.

Und was zum Geier sollen die austauschbaren Tageslicht-Porträts verstörter Besucher/innen der Gedenkstätte Buchenwald denn nun noch erzählen? Überstrapazierter geht kaum. Da helfen auch keine seltenen New Yorker Dämmerungsfotos (wie dilettantisch ist das denn) oder bedeutungsschwer daherkommende Innenraumaufnahmen.

Auch will sich ein wie auch immer angekündigtes „Erröten“ beim Betrachten einiger sexuell aufgeladener Sadomaso-Kleinskulpturen beim besten Willen nicht einstellen. Dafür sind sie viel zu nett und könnten in jedem Sexshop um die Ecke stehen.

Einziger kleiner Lichtblick:
Durchtriebene comichafte Stories aus der Kunstgeschichte, die gemeine Parallelen zwischen der Vita des großen russischen Konstruktivisten Kasimir Malewitsch und der des Kunstdilettanten Adolf Hitler herstellen.

Selbstverständlich ist Kunst nicht messbar. Aber durchaus vergleichbar. Den Künstler/innen kann man dabei am wenigsten Vorwürfe machen. Umso mehr allerdings der Jury. Denn die muss es besser wissen. Sowas ist richtig ärgerlich, auch angesichts der geringen Anzahl der Stipendiaten.

A propos Anzahl: Im Jahre 1997 wurden stolze neun Arbeitsstipendien für bildende Kunst in Thüringen vergeben, 1998 waren es immerhin noch sechs. Seit 1999 ist diese Zahl auf ganze vier gesund geschrumpft.

Und was sagt das Kultusministerium dazu? Klare Antwort: In den anderen Bundesländern sind es auch nicht mehr. Basta.

Was war denn das? Eine faulere Ausrede gibt es wohl kaum. Unglaublich.

Das wird richtig schwierig mit dem Wachstum zeitgenössisch – kultureller Potentiale vor Ort.
Im Übrigen sollen die Arbeiten der nächsten Stipendiaten des Freistaats zukünftig immer im Neuen Museum ausgestellt werden.

Na wenigstens das. Der allerkleinste gemeinsame Nenner.

Die Ausstellung „STIP.VISITE“ ist noch bis zum 20.März 2011 geöffnet:
Dienstag bis Sonntag, jeweils von 11.00 bis 16.00 Uhr

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