Visuelles Deja vú

Wahrhaft paradiesis­che Zustände ver­sprechen die Motive der zeit­genös­sis­chen Kam­pagne der FDP zum Bun­destagswahlkampf 2013.

Auf fünf far­big fotografierten Postern wird eine der­art son­nige Zukunft insze­niert, dass einem schwindelig wer­den kann:

Ein Bauar­beiter blickt während seiner Arbeit zuver­sichtlich in die Ferne. Unter­ti­tel: „Die Mitte ent­las­ten. Damit der Auf­schwung weiter geht.“
Autsch. Das erin­nert an Bild­strate­gien der ehe­ma­li­gen Sozial­is­tis­chen Ein­heitspartei der DDR, kurz SED.
Beson­ders Bauar­beiter – Bild­nisse wur­den damals gern für die Parteireklame genutzt.

Aber das ist über 24 Jahre her und höch­stens noch ehe­ma­li­gen ost­deutschen Bürg­ern bekannt. Schwamm drüber.

Doch ähn­lich ver­hält es sich mit zwei weit­eren Motiven, bei denen süße kleine Kinder den parteige­bun­de­nen Wer­be­träger geben:
Ein Mäd­chen läuft im rosa Kleid zwis­chen gelb blühen­den Feldern und lächelt dabei mit aus­ge­bre­it­eten Armen gen blauen Him­mel.
„Starke Bürg­er­rechte. Weil es um Ihre Frei­heit geht“ ist darunter zu lesen.

Das arme Mädel muss gle­ich mal für uns freie Bürger her­hal­ten. Wobei der Zufall den FDP – Wahlkampf­s­trate­gen in die Hände gespielt hat. Angesichts zeit­genös­sis­cher interkon­ti­nen­taler anglo-amerikanis­cher Daten­ab­saugerei ist das uner­wartet aktuell gewor­den.

Und nochmal muss ein lächel­ndes Kind aufs Poster, um die Bil­dungspoli­tik der Partei zu verd­inglichen:
Dies­mal blickt ein kleiner Junge vom Klet­terg­erüst ganz nah in die Kam­era.
„Mehr Bil­dung. Für mehr Auf­stiegschan­cen“ verkün­det der opti­mistis­che Wahlwer­be­text.

Als ob das nicht schon reicht, wird bei Motiv Num­mer vier noch eins draufge­setzt: Im roman­tisch fotografierten Gegen­licht trägt eine junge Mut­ter ihr kleines im Arm und blickt es lächelnd an.
„Schluss mit Schulden. Aus Ver­ant­wor­tung für Heute und Mor­gen“ steht pro­gram­mgemäß darunter.

Poster Num­mer fünf schließt dann den Kreis: Ein älteres sehr rüstiges Paar ist in Großauf­nahme zu sehen. Mann und Frau blicken sich eben­falls lächelnd ins Antlitz.
„Sicheres Geld. Grund­lage für unseren Wohl­stand“ lautet diese Parole.

Fazit:
Die FDP-Wer­bekam­pagne des Jahres 2013 erin­nert in der Tat unfrei­willig an ehe­ma­lige verord­nete Wohlfühl – Bildiko­nen der Ex-DDR.
Über Jahrzehnte hin­weg wur­den arbei­t­ende Men­schen und lächel­nde Fam­i­lien exzes­siv zur Wahlwer­bung und Visu­al­isierung der Ide­olo­gie ver­hack­stückt.

Irgend­wann artete die Angele­gen­heit in Über­druss aus und wurde nur noch als Belei­di­gung wahrgenom­men.

Also Vor­sicht, FDP. Das ist schon­mal ins Auge gegan­gen.