Von Claus Bach, 17. Juli 2013, 11:05 Uhr

Wahrhaft paradiesische Zustände versprechen die Motive der zeitgenössischen Kampagne der FDP zum Bundestagswahlkampf 2013.

Auf fünf farbig fotografierten Postern wird eine derart sonnige Zukunft inszeniert, dass einem schwindelig werden kann:

Ein Bauarbeiter blickt während seiner Arbeit zuversichtlich in die Ferne. Untertitel: „Die Mitte entlasten. Damit der Aufschwung weiter geht.“
Autsch. Das erinnert an Bildstrategien der ehemaligen Sozialistischen Einheitspartei der DDR, kurz SED.
Besonders Bauarbeiter – Bildnisse wurden damals gern für die Parteireklame genutzt.

Aber das ist über 24 Jahre her und höchstens noch ehemaligen ostdeutschen Bürgern bekannt. Schwamm drüber.

Doch ähnlich verhält es sich mit zwei weiteren Motiven, bei denen süße kleine Kinder den parteigebundenen Werbeträger geben:
Ein Mädchen läuft im rosa Kleid zwischen gelb blühenden Feldern und lächelt dabei mit ausgebreiteten Armen gen blauen Himmel.
„Starke Bürgerrechte. Weil es um Ihre Freiheit geht“ ist darunter zu lesen.

Das arme Mädel muss gleich mal für uns freie Bürger herhalten. Wobei der Zufall den FDP – Wahlkampfstrategen in die Hände gespielt hat. Angesichts zeitgenössischer interkontinentaler anglo-amerikanischer Datenabsaugerei ist das unerwartet aktuell geworden.

Und nochmal muss ein lächelndes Kind aufs Poster, um die Bildungspolitik der Partei zu verdinglichen:
Diesmal blickt ein kleiner Junge vom Klettergerüst ganz nah in die Kamera.
„Mehr Bildung. Für mehr Aufstiegschancen“ verkündet der optimistische Wahlwerbetext.

Als ob das nicht schon reicht, wird bei Motiv Nummer vier noch eins draufgesetzt: Im romantisch fotografierten Gegenlicht trägt eine junge Mutter ihr kleines im Arm und blickt es lächelnd an.
„Schluss mit Schulden. Aus Verantwortung für Heute und Morgen“ steht programmgemäß darunter.

Poster Nummer fünf schließt dann den Kreis: Ein älteres sehr rüstiges Paar ist in Großaufnahme zu sehen. Mann und Frau blicken sich ebenfalls lächelnd ins Antlitz.
„Sicheres Geld. Grundlage für unseren Wohlstand“ lautet diese Parole.

Fazit:
Die FDP-Werbekampagne des Jahres 2013 erinnert in der Tat unfreiwillig an ehemalige verordnete Wohlfühl – Bildikonen der Ex-DDR.
Über Jahrzehnte hinweg wurden arbeitende Menschen und lächelnde Familien exzessiv zur Wahlwerbung und Visualisierung der Ideologie verhackstückt.

Irgendwann artete die Angelegenheit in Überdruss aus und wurde nur noch als Beleidigung wahrgenommen.

Also Vorsicht, FDP. Das ist schonmal ins Auge gegangen.

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