Vom Brett zur Milch

Vor über einem Jahr machte ein Trend im Inter­net von sich Reden und schaffte es sogar bis in die klas­sis­chen Bil­der­me­dien:

»Plank­ing« hieß das Phänomen und löste ganze Wellen von gestell­ten Bildern aus: Die jew­eili­gen Pro­tag­o­nis­ten legten sich meist flach auf den Boden und machten sich dabei steif wie ein Brett. Mit dem Gesicht nach unten. Sin­n­frei sollte es sein und wurde an allen möglichen Orten zele­bri­ert, fotografiert und ins Inter­net gestellt.
Je artis­tis­cher und hals­brecherischer die Sache aus­fiel, desto größer war der Zus­pruch der Net­zge­meinde. Bis heute existieren zahlre­iche Foren, auf denen eine Art Wet­tkampf im Planken aus­ge­tra­gen wird.

Das es nicht bei dieser Art Spon­tan­fo­tografie bleiben würde, war abzuse­hen. In rascher Abfolge wech­sel­ten im Jahre 2011 die absur­desten virtuellen Spon­tan­foto -Moden im Inter­net. Meist kamen sie aus Großbri­tan­nien.

„Horse­man­ing“ zeigt nachgestellte und fotografierte men­schliche Kör­per mit abge­tren­nten Köpfen – freilich als Fake.

„Freez­ing“ beze­ich­net das fotografierte Ver­har­ren in einer Bewe­gung. Daraus entwick­elte sich der virtuell organ­isierte „Freez­ing Day“: Am jew­eils 30. April des Jahres ver­har­ren viele Men­schen auf öffentlichen Plätzen für einige Minuten in Ihrer Bewe­gung. Ten­denz steigend.

Seit eini­gen Tagen nun etabliert sich eine neue Qual­ität der sin­n­freien bildlichen Darstel­lung im Netz: „Milk­ing“ nennt sie sich. Dabei schüt­ten sich die jew­eili­gen Pro­tag­o­nis­ten Milch im Ste­hen oder Laufen mutwillig über den Kopf. Meist tun das Stu­den­ten. Schon wieder in Großbri­tan­nien! Freilich gefilmt mit der Handykam­era und anschließend im Inter­net gepostet.

»Milk­ing« ist das neue »Plank­ing«, eine weit­ere soge­nan­nte virale Bewe­gung. Erfun­den von einem Stu­den­ten Namens Tom Mor­ris.

Doch anders als gedacht stößt die Angele­gen­heit nicht nur auf wach­sende Begeis­terung. Son­dern auf bisweilen harsche Kri­tik:

„Trot­tel! Von zwei aus­gekippten Litern Milch kann ein Obdachloser ein paar Tage leben. Und: „In Afrika sogar eine ganze Fam­i­lie!“

Das steht schon jetzt in vie­len Foren und meint mehr als nur west­lichen Zivil­i­sa­tion­szynis­mus.

„Schwachsinn in Tüten“ titelte kür­zlich eine Web­site im Netz. Schluss mit lustig.
Sin­n­frei geht wohl doch anders.