Von Claus Bach, 22. August 2018, 13:59 Uhr

Reichlich 20 Personen stehen vor dem Atrium in Weimar und betrachten einen großen Tisch, der mit einer Plane der besonderen Art bedeckt ist. Sie zeigt die farbig ausgedruckte Luftaufnahme ihres gegenwärtigen Standorts: Die Jakobsvorstadt inklusive Studentenwohnheim „Langer Jakob“, das ehemalige Gauforum, das Neue Museum und die Baugrube des zukünftigen neuen Bauhaus – Museums.

So beginnt der geführte Stadtspaziergang durch Weimars gegensätzlichstes Quartier.
Zum dritten mal in Folge zelebrieren Schauspieler Markus Fennert und zwei Assistentinnen Teile der Stadthistorie für ein kleines, aber spezielles Publikum. Erneut unter der Regie von Künstlerin Anke Heelemann. Bekannt als Inhaberin der örtlichen Fotothek, dem „Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien“.

Auch dieses Jahr ist sich die Künstlerin ihrer ganz eigenen Art der performativen Verknüpfung von Stadthistorie und Privatgeschichten mittels spontan – Installation treu geblieben:
Während der Schauspieler über ein ehemaliges Bordell am alten Jakobsviertel referiert, dreht beiläufig ein weißer Mini Pick – up seine Runden. Auf seiner Ladefläche ist der Großbuchstabe „M“ auszumachen. Ein mobil vergegenständlichtes Zitat des Präsidenten der Klassik Stiftung. Der verkündete kürzlich: Wenn man Weimar so richtig durchschüttle, würde die Moderne draus werden. Und so wurde aus dem Weimar – W das Weimar – M.

Und jener große Schaumstoff – Buchstabe mitgeführter Bestandteil der Stadtwanderer – Gesellschaft in den Raum – Labyrinthen des Atriums, der Tiefgarage und den Gängen des Landesverwaltungsamtes. Historische Fotografien im Format 30 x 40 cm illustrieren die Geschichten um die ehemalige „Halle der Volksgemeinschaft“ , die ehemalige „Fachschule für Staatswissenschaft“ einschließlich Kinosaal. Der wirkt wie eine geöffnete Zeitkapsel aus den 1950 iger Jahren, inklusive Geruch. Später wird das Studentenwohnheim am Jakob mittels vertikal aufgeklappten großem Foto – Leporello lebendig. Erneut von Kurzgeschichten umrankt. Über eine durchtrieben geführte Route gelangt die Gruppe ins Innere des Neuen Museums und am Ende zum neuesten Teil des zukünftigen „Quartiers der Moderne“: Der Baustelle des Neuen Bauhaus – Museums.

Nach zwei Stunden findet eine ungemein aufwendig recherchierte Tour ihren Abschluss. Mindestens ebenso aufwendig sind jene kleinen objekthaften Interventionen, welche eine wunderbar beiläufige Ironie der Wahrnehmung erzeugen. So wird auch dieses Jahr ein Stadtspaziergang zur Performance.
Und genau das ist das Besondere.

Die nächsten Aufführungen am Freitag, Samstags und Sonntag beginnen jeweils 15.00 Uhr. Bis zum Sonntag, dem 02. 09. 2018.